Wie betet man den Rosenkranz: eine katholische Anleitung

Vielleicht liegt die Rosenkranzkette seit Jahren in einer Schublade, oder Sie haben sie gerade geschenkt bekommen und wissen nicht recht, was mit den vielen Perlen anzufangen ist. Das ist keine Schande. Der Rosenkranz wirkt auf den ersten Blick wie eine komplizierte Abfolge, dabei ist er ein einfaches Gebet, das man in einer Viertelstunde lernt.

Wer zum ersten Mal eine Kette in die Hand nimmt, zählt die Perlen und fragt sich, welche davon wofür steht. Andere haben als Kinder den Rosenkranz gebetet und erinnern sich nur noch an den Klang, nicht an die Reihenfolge. Beides ist ein guter Anfang. Sie können heute beginnen, ohne vorher etwas auswendig zu lernen, was Sie nicht schon kennen.

Der Rosenkranz verbindet das gesprochene Gebet mit der Betrachtung des Lebens Christi. Johannes Paul II. nannte ihn in seinem Schreiben Rosarium Virginis Mariae ein Kompendium des Evangeliums. Man betet also nicht einfach Worte herunter, sondern geht mit Maria durch die Stationen des Lebens Jesu.

Was der Rosenkranz ist

Das Wort Rosenkranz geht auf das lateinische rosarium zurück und bedeutet Kranz aus Rosen. Jedes Ave Maria gilt als eine geistliche Rose, die der Gottesmutter dargebracht wird. So entsteht beim Beten ein Bild: Aus vielen einzelnen Blüten wird ein ganzer Kranz. Die Kette selbst ist dabei nur ein Hilfsmittel zum Zählen, kein Amulett und kein Gegenstand mit eigener Kraft. Sie erinnert die Hände daran, wo man stehengeblieben ist.

Die Kette hat ein Kreuz, eine große Perle, drei kleine Perlen und fünf Gesätze. Ein Gesatz besteht aus einer großen Perle und zehn kleinen. Der Überlieferung nach geht der Anfang des Rosenkranzes auf den heiligen Dominikus zurück, historisch hat sich diese Form über die Jahrhunderte gebildet. Wer heute eine Kette kauft oder geschenkt bekommt, hält also ein Gebet in den Händen, das Generationen vor ihm in ähnlicher Weise gesprochen haben. Wer den Rosenkranz online beten möchte, findet dafür ebenfalls eine Möglichkeit.

Die Gebete des Rosenkranzes

Sie brauchen nur wenige Gebete, die Sie ohnehin aus der Messe oder aus dem täglichen Gebet kennen: das Glaubensbekenntnis, das Vaterunser, das Ave Maria, das Ehre sei dem Vater und das Salve Regina. Dazu kommt das Fatima-Gebet nach jedem Gesatz: O mein Jesus, verzeih uns unsere Sünden, bewahre uns vor dem Feuer der Hölle, führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene, die deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen.

Wenn Ihnen eines dieser Gebete nicht geläufig ist, können Sie es auf einem Zettel neben sich legen. Das ist keine Unsauberkeit, sondern ein normales Lernen. Wer die Reihenfolge einmal schwarz auf weiß vor sich hat, betet ruhiger. Eine Anleitung zum Rosenkranz mit allen Texten nebeneinander hilft, bis die Worte von selbst kommen. Nach einigen Wochen brauchen Sie den Zettel nicht mehr.

Der Rosenkranz Schritt für Schritt

Sie beginnen mit dem Kreuzzeichen. Am Kreuz beten Sie das Glaubensbekenntnis. Danach folgt auf der großen Perle ein Vaterunser. Auf den drei kleinen Perlen beten Sie drei Ave Maria, je eines für Glaube, Hoffnung und Liebe. Den Abschluss dieses Vorspanns bildet ein Ehre sei dem Vater. Damit sind Sie am ersten Gesatz angelangt.

Nun verkünden Sie das Geheimnis, also den Abschnitt aus dem Leben Jesu, den Sie betrachten wollen. Es folgt ein Vaterunser. Dann beten Sie zehn Ave Maria und lassen dabei das verkündete Geheimnis im Inneren mitgehen. Nach den zehn Perlen beten Sie das Ehre sei dem Vater und das Fatima-Gebet. Damit ist ein Gesatz beendet, und der nächste beginnt in derselben Weise.

Nach dem fünften Gesatz beten Sie das Salve Regina und das Schlussgebet, danach machen Sie das Kreuzzeichen. Ein voller Rosenkranz umfasst fünf Gesätze und dauert etwa fünfzehn bis zwanzig Minuten; ein einzelnes Gesatz dauert drei bis vier Minuten. Wenn Sie keine Kette zur Hand haben, können Sie ohne Kette beten und die Gesätze an den Fingern abzählen. Das Gebet ist dadurch nicht weniger vollständig.

Die vier Geheimnisgruppen und ihre Tage

Die Kirche hat die Geheimnisse auf die Wochentage verteilt, damit man nicht jeden Tag dieselben Stationen betrachtet. Montag und Samstag sind den freudenreichen Geheimnissen zugeordnet, Dienstag und Freitag den schmerzhaften, Mittwoch und Sonntag den glorreichen. Am Donnerstag betet man die lichtreichen Geheimnisse. Diese Ordnung ist eine Gewohnheit, keine Vorschrift.

Wenn Sie an einem Tag nicht die vorgesehene Gruppe beten, ist das kein Fehler. Wer krank ist, Trauer trägt oder einen bestimmten Abschnitt des Lebens Jesu braucht, darf frei wählen. Die Zuordnung hilft beim Anfangen, sie schränkt aber nicht ein. Wer den Rosenkranz regelmäßig betet, merkt bald, dass die Wiederkehr derselben Geheimnisse an bestimmten Tagen dem Gebet eine ruhige Struktur gibt.

Die zwanzig Geheimnisse

Die freudenreichen Geheimnisse sind Verkündigung des Herrn, Heimsuchung, Geburt Jesu, Darstellung im Tempel und Wiederfindung des zwölfjährigen Jesus. Sie führen von der Ankündigung der Geburt bis zu dem Moment, in dem die Eltern ihren Sohn nach drei Tagen im Tempel wiederfinden. Diese Gruppe betet man am Montag und am Samstag.

Die schmerzhaften Geheimnisse sind Todesangst Jesu am Ölberg, Geißelung, Dornenkrönung, Kreuztragung und Kreuzigung. Sie begleiten den Weg von der Nacht vor der Verhaftung bis zum Tod am Kreuz. Diese Gruppe ist für Dienstag und Freitag vorgesehen. Wer sie betet, bleibt bei dem stehen, was schwer auszuhalten ist, und muss es nicht schnell hinter sich bringen.

Die glorreichen Geheimnisse sind Auferstehung, Himmelfahrt, Ausgießung des Heiligen Geistes, Aufnahme Mariens in den Himmel und Krönung Mariens. Sie gehören zu Mittwoch und Sonntag. Sie blicken auf das, was nach dem Kreuz kommt, und geben dem Gebet eine Richtung auf die Hoffnung hin. Der Sonntag als Tag der Auferstehung ist deshalb der klassische Tag für diese Gruppe.

Die lichtreichen Geheimnisse sind Taufe Jesu im Jordan, Hochzeit zu Kana, Verkündigung des Reiches Gottes, Verklärung des Herrn und Einsetzung der Eucharistie. Sie sind für den Donnerstag bestimmt. Wer sich fragt, welche Geheimnisse an welchem Tag dran sind und wie die Gruppen entstanden sind, findet in den häufigen Fragen zum Rosenkranz weitere Erläuterungen.

Wie man die Geheimnisse betrachtet

Betrachten heißt nicht, sich eine Szene möglichst genau auszumalen. Es genügt, wenn Sie beim Sprechen der Ave Maria innerlich bei dem Geheimnis bleiben, es vielleicht mit einem einzigen Satz ansprechen und dann weiterbeten. Wenn die Gedanken abschweifen, kehren Sie einfach zum Geheimnis zurück, ohne sich Vorwürfe zu machen. Das Abschweifen gehört zum Beten dazu.

Manche beten vor jedem Gesatz einen kurzen Satz, der das Geheimnis benennt, etwa: Jesus, der im Jordan getauft wird. Andere lesen einen Abschnitt aus dem Evangelium, bevor sie beginnen. Beides ist möglich. Wichtig ist, dass die Worte und die Betrachtung nicht auseinanderfallen. Der Rosenkranz ist kein Wettlauf im Zählen, sondern ein langsames Gehen durch das Leben Christi.

Wann und wie oft beten

Der Rosenkranz ist nicht verpflichtend. Er ist ein freies Gebet, kein Gebot unter Sünde. Niemand muss ihn beten, und niemand sündigt, wenn er ihn nicht betet. Wer ihn aufnimmt, tut es, weil er darin einen Halt findet. Die Kirche lädt besonders im Oktober, dem Rosenkranzmonat, zum Rosenkranz ein und feiert am 7. Oktober Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz.

Viele beten den Rosenkranz in der Familie oder vor der Messe, andere allein am Abend. Wenn Sie eine andere Form des Bittgebets suchen, können Sie auch den Rosenkranz zur Göttlichen Barmherzigkeit beten, der mit dem Rosenkranz verwandt ist. Der Rosenkranz ist mit dem vollkommenen Ablass unter den üblichen Bedingungen verbunden: Beichte, Kommunion, Gebet in den Anliegen des Papstes, und der Rosenkranz selbst in der Kirche, in der Familie oder in einer Gebetsgruppe.

Wenn es schwerfällt, und was der Rosenkranz trägt

Es gibt Tage, an denen die zehn Ave Maria nicht enden wollen. Dann hilft es, nicht den ganzen Rosenkranz zu beginnen, sondern ein einziges Gesatz zu beten. Wer nur fünf Minuten hat, betet fünf Minuten. Der Wert liegt nicht in der Zahl der Perlen, sondern in der Bereitschaft, überhaupt anzufangen. Ein Gesatz ist ein vollständiges Gebet, kein Bruchstück.

Mit der Zeit trägt der Rosenkranz mehr, als man anfangs erwartet. Die vertrauten Worte bleiben im Kopf, auch wenn die Gedanken müde sind, und die Kette in der Hand gibt den Händen etwas zu tun, während das Herz zur Ruhe kommt. So wird aus einer Gewohnheit ein Ort, an den man zurückkehren kann, an guten und an schweren Tagen.

Häufig gestellte Fragen

Wie betet man den Rosenkranz Schritt für Schritt?

Beginne mit dem Kreuzzeichen und dem Glaubensbekenntnis. Bete ein Vaterunser, drei Ave Maria und ein Ehre sei dem Vater. Dann verkünde das erste Geheimnis, bete ein Vaterunser und zehn Ave Maria, während du meditierst. Wiederhole dies für alle fünf Geheimnisse. Schließe mit dem Salve Regina und dem Kreuzzeichen.

Was sind die 4 Gesätze des Rosenkranzes?

Die freudenreichen Geheimnisse (Montag & Samstag), die schmerzhaften Geheimnisse (Dienstag & Freitag), die glorreichen Geheimnisse (Mittwoch & Sonntag) und die lichtreichen Geheimnisse (Donnerstag). Jeder Gesatz enthält fünf Geheimnisse aus dem Leben Jesu und Mariens.

Wie lange dauert es, den Rosenkranz zu beten?

Ein voller Rosenkranz (fünf Gesätze) dauert etwa 15-20 Minuten. Du kannst einen einzelnen Gesatz in etwa 3-4 Minuten beten, wenn du wenig Zeit hast.

Welche Gebete werden während des Rosenkranzes gesprochen?

Das Glaubensbekenntnis, das Vaterunser, das Ave Maria, das Ehre sei dem Vater, das Fatima-Gebet („O mein Jesus") und das Salve Regina. Jeder Gesatz umfasst ein Vaterunser, zehn Ave Maria und ein Ehre sei dem Vater.

Braucht man eine Rosenkranzkette, um den Rosenkranz zu beten?

Nein, du kannst den Rosenkranz auch mit den Fingern zum Zählen beten. Allerdings sind Rosenkranzketten hilfreich, um den Überblick zu behalten, und dienen als physische Erinnerung an dein Gebet.

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