Die Priesterweihe ist eines der sieben Sakramente der katholischen Kirche und wird als das Sakrament des Dienstes oder des Weiheamtes bezeichnet. Sie ist kein bloßes Ritual oder eine formelle Beauftragung, sondern eine tiefgreifende, gnadenhafte Verwandlung des Menschen, der durch die Handauflegung des Bischofs und das Weihegebet eine unauslöschliche Prägung empfängt. Diese Prägung, der sogenannte character indelebilis, befähigt und verpflichtet den Geweihten, in der Person Christi, des Hauptes der Kirche, zu handeln. Die Priesterweihe ist somit die sakramentale Grundlage für den Dienst des Priesters in der Verkündigung des Wortes Gottes, der Feier der Liturgie, insbesondere der Eucharistie, und der Leitung der Gemeinde. Sie ist kein Beruf im weltlichen Sinne, sondern eine Lebensentscheidung, die den ganzen Menschen fordert und ihn in die Nachfolge Christi stellt.

Was ist die Priesterweihe? Das Sakrament des Dienstes

Die katholische Kirche lehrt, dass die Priesterweihe ein Sakrament ist, das von Jesus Christus selbst eingesetzt wurde. Beim Letzten Abendmahl, als er die Apostel zu Priestern des Neuen Bundes weihte, legte er den Grundstein für dieses Sakrament. Die Priesterweihe ist kein menschliches Amt, sondern eine göttliche Stiftung, die die apostolische Sukzession durch die Jahrhunderte hindurch sichert. Der Bischof, der selbst in der ununterbrochenen Kette der Handauflegungen seit den Aposteln steht, überträgt diese Vollmacht auf den Kandidaten. Der heilige Thomas von Aquin betont, dass die Priesterweihe den Menschen in eine besondere Beziehung zu Christus setzt: „Der Priester handelt in der Person Christi, wenn er die Sakramente spendet, besonders in der Eucharistie.“ (Summa Theologica III, q. 82, a. 1). Diese Lehre unterstreicht die Einzigartigkeit des priesterlichen Dienstes. Das Sakrament der Priesterweihe ist untrennbar mit dem Dienst verbunden. Es ist kein Sakrament, das man für sich selbst empfängt, sondern eines, das den Empfänger in den Dienst der Kirche und der ganzen Menschheit stellt. Der Priester ist nicht sein eigener Herr, sondern Diener des Wortes und der Sakramente. Der Dienstcharakter der Priesterweihe zeigt sich in der Demut, mit der der Priester sein Leben in den Dienst Gottes und der Menschen stellt. Der heilige Johannes Paul II. schrieb in seinem Apostolischen Schreiben „Pastores dabo vobis“: „Der Priester ist ein Geschenk Gottes an die Kirche, ein Geschenk, das durch das Sakrament der Weihe vermittelt wird.“ (Nr. 11). Dieses Geschenk ist jedoch kein Privileg, sondern eine Verantwortung, die den Priester dazu aufruft, sein Leben nach dem Vorbild Christi zu gestalten. Die Wirkung der Priesterweihe ist tiefgreifend und dauerhaft. Neben der unauslöschlichen Prägung verleiht sie dem Priester die Gnade, sein Amt heilig auszuüben. Der character indelebilis bedeutet, dass die Priesterweihe nie wieder rückgängig gemacht werden kann, selbst wenn ein Priester sein Amt nicht mehr ausübt. Diese Lehre unterstreicht die Ernsthaftigkeit der Entscheidung zur Priesterweihe. Der heilige Augustinus vergleicht die Priesterweihe mit der Taufe: „Wie die Taufe, so prägt auch die Priesterweihe eine unauslöschliche Prägung ein, die den Menschen für immer zu einem Diener Christi macht.“ (De baptismo contra Donatistas). Diese Prägung ist eine Quelle der Gnade, aber auch eine ständige Verpflichtung zur Heiligkeit.

Die Berufung zum Priestertum: Wie Gott ruft

Die Berufung zum Priestertum ist ein Geheimnis des Glaubens. Sie ist kein Ergebnis menschlicher Planung oder Karriereentscheidung, sondern eine Antwort auf den Ruf Gottes. Die Berufung ist ein Dialog zwischen Gott und dem Menschen, der oft leise beginnt und sich im Gebet und in der Gemeinschaft mit der Kirche vertieft. Der heilige Paulus schreibt: „Niemand nimmt sich selbst die Ehre, sondern er wird von Gott berufen, wie Aaron.“ (Hebräer 5,4). Diese Schriftstelle macht deutlich, dass die Initiative immer von Gott ausgeht. Der Mensch kann diese Berufung durch Gebet, geistliche Begleitung und die Sakramente erkennen. Die Zeichen einer Berufung sind vielfältig. Oft verspürt ein junger Mann eine tiefe Sehnsucht, Gott zu dienen und den Menschen das Evangelium zu verkünden. Diese Sehnsucht wird durch die Liebe zur Eucharistie, zum Gebet und zur Kirche genährt. Der heilige Ignatius von Loyola lehrt, dass die Berufung in der Unterscheidung der Geister erkannt wird: „Es ist nicht die Menge des Wissens, die den Menschen sättigt und befriedigt, sondern das innere Fühlen und Schmecken der Dinge.“ (Exerzitien, Nr. 2). Diese innere Bewegung des Herzens, die von Frieden und Freude begleitet wird, ist ein starkes Zeichen der Berufung. Die Kirche hat die Aufgabe, diese Berufungen zu prüfen und zu bestätigen. Der Bischof und die Verantwortlichen im Priesterseminar begleiten die Kandidaten auf ihrem Weg. Die Berufung zum Priestertum ist immer eine Berufung in der Kirche und für die Kirche. Sie ist keine private Angelegenheit, sondern ein Dienst an der Gemeinschaft. Der heilige Johannes Vianney, der Pfarrer von Ars, sagte: „Das Priestertum ist die Liebe des Herzens Jesu.“ Diese Worte zeigen, dass die Berufung aus der Liebe Christi entspringt und in der Liebe zu den Menschen mündet. Die Antwort auf diese Berufung erfordert Mut, Demut und eine tiefe Vertrauen in die Gnade Gottes.

Der Weg durch das Priesterseminar: Jahre der Vorbereitung

Der Weg zum Priestertum führt in der Regel durch das Priesterseminar. Diese Zeit der Vorbereitung dauert in der Diözese etwa sechs bis acht Jahre und umfasst sowohl ein philosophisches als auch ein theologisches Studium. Das Priesterseminar ist kein bloßes Studienhaus, sondern ein Ort der geistlichen Formation, in dem der Kandidat lernt, sein Leben nach dem Evangelium auszurichten. Der heilige Karl Borromäus, ein großer Reformer der Priesterbildung, betonte: „Das Seminar ist das Herz der Diözese, denn hier werden die zukünftigen Hirten geformt.“ Diese Formung umfasst vier Dimensionen: die menschliche, die geistliche, die intellektuelle und die pastorale. Die menschliche Formation zielt darauf ab, den Kandidaten zu einer reifen und ausgeglichenen Persönlichkeit zu formen. Ein Priester muss in der Lage sein, Beziehungen zu knüpfen, Konflikte zu lösen und mit Autorität und Demut zu führen. Die geistliche Formation vertieft das Gebetsleben, die Sakramentenfrömmigkeit und die Beziehung zu Christus. Der heilige Franz von Sales schrieb: „Der Priester muss ein Mann des Gebets sein, denn aus dem Gebet schöpft er die Kraft für seinen Dienst.“ (Philothea). Die tägliche Eucharistie, das Stundengebet und die geistliche Begleitung sind unverzichtbare Elemente dieser Formation. Die intellektuelle Formation umfasst das Studium der Philosophie und Theologie. Der Kandidat lernt die Glaubenslehre der Kirche kennen, um sie später verkündigen zu können. Die pastorale Formation bereitet den Kandidaten auf die praktische Arbeit in der Gemeinde vor. Praktika in Pfarreien, Krankenhäusern oder Gefängnissen geben ihm Einblicke in die Vielfalt des priesterlichen Dienstes. Die Zeit im Priesterseminar ist eine Zeit der Prüfung und des Wachstums. Der heilige Papst Johannes Paul II. sagte: „Das Seminar ist eine Schule des Evangeliums, in der die Jünger Christi lernen, ihm nachzufolgen.“ Diese Jahre sind entscheidend für die spätere Treue und Fruchtbarkeit des priesterlichen Dienstes.

Die drei Weihestufen: Diakon, Priester, Bischof

Die katholische Kirche kennt drei Stufen des Weiheamtes: den Diakon, den Priester und den Bischof. Diese drei Stufen sind miteinander verbunden und bilden das hierarchische Amt der Kirche. Die Weihe zum Diakon ist die erste Stufe und befähigt zum Dienst der Verkündigung, der Liturgie und der Caritas. Der heilige Stephanus, der erste Märtyrer, war einer der ersten Diakone, die von den Aposteln für den Dienst an den Armen bestimmt wurden (Apostelgeschichte 6,1-6). Der Diakon kann taufen, die Ehe assistieren und das Evangelium verkünden, aber er kann nicht die Eucharistie feiern oder die Beichte hören. Die Weihe zum Priester ist die zweite Stufe und befähigt den Geweihten, in der Person Christi des Hauptes zu handeln. Der Priester kann die Eucharistie feiern, die Sakramente der Buße und der Krankensalbung spenden und die Gemeinde leiten. Der heilige Ignatius von Antiochien nannte den Priester den „Bischof der Gemeinde“, weil er in enger Gemeinschaft mit dem Bischof den Dienst an der Ortskirche ausübt. Die Priesterweihe ist die Grundlage für den Dienst des Pfarrers, der die Seelsorge in einer Gemeinde übernimmt. Die Weihe zum Bischof ist die dritte und höchste Stufe des Weiheamtes. Der Bischof ist der Nachfolger der Apostel und hat die Fülle des Weihesakramentes empfangen. Der Bischof ist der Lehrer, der Priester und der Hirte seiner Diözese. Er allein kann die Sakramente der Priester- und Bischofsweihe spenden. Der heilige Cyprian von Karthago schrieb: „Der Bischof ist in der Kirche, und die Kirche ist im Bischof.“ (Epistula 66,8). Diese drei Weihestufen sind keine Karriereleiter, sondern verschiedene Ausprägungen des einen priesterlichen Dienstes, der auf Christus, den einen Hohenpriester, zurückgeht.

Der Ritus der Priesterweihe: Handauflegung und Gebet

Der Ritus der Priesterweihe ist ein feierlicher und bedeutungsvoller Akt, der in der Regel während einer heiligen Messe stattfindet. Der zentrale Moment der Weihe ist die Handauflegung durch den Bischof und das anschließende Weihegebet. Die Handauflegung ist ein biblisches Zeichen der Geistmitteilung, das bereits im Alten Testament bei der Einsetzung Josuas durch Mose verwendet wurde (Numeri 27,18-23). Der Bischof legt dem Kandidaten schweigend die Hände auf, während die anwesenden Priester ebenfalls die Hände auflegen. Diese Geste symbolisiert die Übertragung der geistlichen Vollmacht und die Bitte um den Heiligen Geist. Das Weihegebet, das der Bischof über den Kandidaten spricht, ist das Herzstück des Ritus. Es ruft den Heiligen Geist herab, der den Kandidaten für sein Amt heiligen und stärken soll. Das Weihegebet enthält die Bitte um die Gnade, das Volk Gottes zu leiten, die Eucharistie zu feiern und die Sünden zu vergeben. Der heilige Hippolyt von Rom überliefert in seiner „Apostolischen Tradition“ ein frühes Weihegebet, das die wesentlichen Elemente enthält: „Sende herab, o Vater, die Kraft deines Geistes auf diesen deinen Diener, damit er würdig sei, das Amt des Priestertums auszuüben.“ Nach dem Weihegebet wird der Neugeweihte mit dem Messgewand bekleidet, und seine Hände werden mit Chrisam gesalbt, als Zeichen der Heiligung seiner Hände für den Dienst am Altar. Der Ritus umfasst auch die Übergabe der Gaben von Brot und Wein, die symbolisiert, dass der Priester nun die Vollmacht hat, die Eucharistie zu feiern. Der Friedensgruß des Bischofs und der Priester drückt die Aufnahme des Neugeweihten in die Gemeinschaft der Priester aus. Die gesamte Feier ist von einer tiefen Ehrfurcht und Freude geprägt. Der heilige Ambrosius von Mailand beschrieb die Weihe als ein Geheimnis, das die Gläubigen mit Staunen erfüllt: „Wenn der Priester geweiht wird, dann geschieht ein großes Wunder: Ein Mensch wird zum Werkzeug Gottes.“ (De sacramentis). Der Ritus der Priesterweihe ist somit ein sichtbares Zeichen der unsichtbaren Gnade, die den Priester für seinen Dienst befähigt.

Die Aufgaben des Priesters: Verkündigung, Liturgie, Leitung

Die Aufgaben des Priesters lassen sich in drei Hauptbereiche gliedern: die Verkündigung des Wortes Gottes, die Feier der Liturgie und die Leitung der Gemeinde. Der Priester ist in erster Linie ein Verkünder des Evangeliums. Er predigt, katechetisiert und lehrt die Gläubigen den Glauben. Der heilige Paulus ermahnt Timotheus: „Verkünde das Wort, tritt ein dafür, ob gelegen oder ungelegen; weise zurecht, tadle, ermahne, in aller Geduld und Lehre.“ (2 Timotheus 4,2). Diese Aufgabe erfordert eine tiefe Kenntnis der Schrift und der Tradition sowie die Fähigkeit, den Glauben verständlich und ansprechend zu vermitteln. Die Feier der Liturgie ist das Herzstück des priesterlichen Dienstes. Der Priester feiert die Eucharistie, spendet die Sakramente und leitet das Stundengebet. In der Eucharistie handelt der Priester in der Person Christi und macht das Opfer Christi am Kreuz gegenwärtig. Der heilige Johannes Chrysostomus sagte: „Der Priester steht am Altar und ruft den Herrn herab; er tut, was die Engel nicht tun können.“ (De sacerdotio). Diese hohe Würde des priesterlichen Dienstes verlangt eine große Ehrfurcht und Hingabe. Die Feier der Sakramente, besonders der Buße und der Krankensalbung, bringt den Priester in eine enge Beziehung zu den Menschen in ihren Nöten und Freuden. Die Leitung der Gemeinde ist die dritte Aufgabe des Priesters. Er ist der Hirte, der die Gläubigen auf ihrem Glaubensweg begleitet, sie in der Gemeinschaft zusammenhält und für ihre geistlichen Bedürfnisse sorgt. Der Priester ist kein Manager, sondern ein geistlicher Vater, der die ihm Anvertrauten liebt und führt. Der heilige Papst Gregor der Große schrieb in seiner „Pastoralregel“: „Der Hirte muss den Menschen vorausgehen im Gebet und im Beispiel, nicht im Herrschen.“ (Regula pastoralis). Diese Leitung geschieht in enger Zusammenarbeit mit den Laien, die ihre eigenen Gaben und Dienste in die Gemeinde einbringen. Der Priester ist der Einheitsstifter, der die verschiedenen Charismen in der Gemeinde bündelt und auf das gemeinsame Ziel, das Reich Gottes, ausrichtet.

Der Zölibat: Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen

Der Zölibat, die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen, ist eine besondere Lebensform, die in der lateinischen Kirche für Priester vorgeschrieben ist. Der Zölibat ist kein Dogma, sondern eine Disziplin, die auf einer langen Tradition beruht. Jesus selbst lebte ehelos und empfahl die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen (Matthäus 19,12). Der heilige Paulus schreibt: „Der Unverheiratete sorgt sich um die Sache des Herrn, wie er dem Herrn gefalle; der Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt, wie er seiner Frau gefalle.“ (1 Korinther 7,32-33). Diese Schriftstellen zeigen, dass die Ehelosigkeit eine besondere Freiheit für den Dienst an Gott und den Menschen schenkt. Der Zölibat ist ein Zeichen der totalen Hingabe an Christus und die Kirche. Der Priester verzichtet auf die Ehe und Familie, um ganz für Gott und die Menschen da zu sein. Der Zölibat ist keine Last, sondern eine Gnade, die den Priester befähigt, in besonderer Weise die Liebe Christi zu den Menschen zu repräsentieren. Der heilige Papst Johannes Paul II. betonte in „Pastores dabo vobis“: „Der Zölibat ist ein Geschenk, das der Priester mit Freuden annehmen und leben soll, als Ausdruck seiner totalen Hingabe an Christus und die Kirche.“ (Nr. 29). Diese Hingabe ist ein prophetisches Zeichen in einer Welt, die oft von Egoismus und Genussstreben geprägt ist. Die Praxis des Zölibats ist jedoch nicht unumstritten. In der Ostkirche gibt es verheiratete Priester, während die Bischöfe aus den Mönchen gewählt werden, die ehelos leben. Die lateinische Kirche hält am Zölibat fest, weil er eine tiefe theologische und pastorale Bedeutung hat. Der heilige Thomas von Aquin lehrt, dass der Zölibat den Priester in die Nachfolge Christi stellt, der selbst ehelos lebte: „Der Priester, der ehelos lebt, ahmt Christus nach, der das Haupt der Kirche ist und in vollkommener Hingabe an den Vater lebte.“ (Summa Theologica III, q. 40, a. 2). Der Zölibat ist eine Herausforderung, aber auch eine Quelle der Freude und der Fruchtbarkeit im priesterlichen Dienst.

Der priesterliche Dienst in der Gemeinde

Der priesterliche Dienst in der Gemeinde ist vielfältig und anspruchsvoll. Der Priester ist der geistliche Vater der Gemeinde, der die Gläubigen auf ihrem Glaubensweg begleitet. Er feiert die Sakramente, predigt, unterrichtet und besucht die Kranken und Alten. Der heilige Johannes Vianney, der Pfarrer von Ars, ist ein leuchtendes Beispiel für einen hingebungsvollen Gemeindepriester. Er verbrachte Stunden im Beichtstuhl, predigte mit Leidenschaft und kümmerte sich um die Armen und Kranken. Er sagte: „Der Priester ist nicht für sich selbst da, sondern für die Menschen.“ Diese Haltung der Selbsthingabe ist das Herzstück des priesterlichen Dienstes. Die Gemeinde ist der Ort, an dem der Priester seine Berufung lebt. Er ist nicht nur ein Funktionär, der religiöse Dienste anbietet, sondern ein Hirte, der seine Schafe kennt und liebt. Der Priester muss ein Mann des Gebets und der Nächstenliebe sein, der die Menschen in ihren Freuden und Leiden begleitet. Der heilige Augustinus schrieb: „Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ.“ (Sermo 340). Diese Worte zeigen, dass der Priester nicht über der Gemeinde steht, sondern mitten in ihr lebt. Er teilt das Leben der Menschen und führt sie zu Christus. Der priesterliche Dienst in der Gemeinde erfordert auch eine gute Zusammenarbeit mit den Laien. Die Laien haben ihre eigenen Gaben und Dienste, die sie in die Gemeinde einbringen. Der Priester ist der Einheitsstifter, der die verschiedenen Charismen koordiniert und auf das gemeinsame Ziel ausrichtet. Der heilige Paulus beschreibt die Kirche als einen Leib mit vielen Gliedern, die alle ihre eigene Aufgabe haben (1 Korinther 12,12-27). Der Priester ist der Diener dieser Einheit, der die Gemeinde in der Liebe Christi zusammenführt. Diese Zusammenarbeit ist eine Quelle der Freude und der Fruchtbarkeit im pfarreilichen Leben.

Priesterweihe von verheirateten Männern? Die Ausnahmen

Die Frage der Priesterweihe von verheirateten Männern wird in der katholischen Kirche immer wieder diskutiert. In der lateinischen Kirche ist der Zölibat die Regel, aber es gibt Ausnahmen. Verheiratete Männer können in bestimmten Fällen zu Priestern geweiht werden, zum Beispiel wenn sie aus einer protestantischen oder orthodoxen Kirche konvertieren, in der sie bereits als verheiratete Priester gedient haben. Diese Ausnahmen werden von der Kongregation für die Glaubenslehre und den zuständigen Bischöfen geprüft und genehmigt. Der heilige Papst Johannes Paul II. bestätigte diese Praxis in der Enzyklika „Ecclesia de Eucharistia“ (Nr. 44). In den Ostkirchen, die mit Rom uniert sind, ist die Priesterweihe von verheirateten Männern die Regel. Diese Kirchen haben eine lange Tradition, in der verheiratete Männer zu Priestern geweiht werden können, solange sie vor der Weihe heiraten. Die Bischöfe werden jedoch aus den Mönchen gewählt, die ehelos leben. Diese Praxis zeigt, dass die katholische Kirche in der Frage des Zölibats nicht dogmatisch, sondern pastoral denkt. Der heilige Basilius der Große, ein Kirchenvater des Ostens, betonte die Bedeutung der Ehe für den priesterlichen Dienst: „Ein guter Priester ist auch ein guter Ehemann und Vater, denn er lernt in der Familie, was es heißt, zu lieben und zu dienen.“ (Regulae fusius tractatae). Die Diskussion über die Priesterweihe von verheirateten Männern in der lateinischen Kirche ist noch nicht abgeschlossen. Einige Theologen und Bischöfe plädieren für eine Lockerung der Zölibatsregel, um dem Priestermangel entgegenzuwirken. Andere betonen die theologische und spirituelle Bedeutung des Zölibats und warnen vor einer vorschnellen Änderung. Der heilige Thomas von Aquin lehrt, dass der Zölibat eine besondere Gnade ist, die den Priester in die Nachfolge Christi stellt: „Der Zölibat ist ein Zeichen der eschatologischen Vollendung, in der es keine Ehe mehr geben wird.“ (Summa Theologica III, q. 40, a. 2). Die Kirche wird in dieser Frage weiterhin im Gebet und in der Unterscheidung des Heiligen Geistes nach der besten Lösung suchen.

Häufige Fragen zur Priesterweihe

Frage: Kann eine Frau Priesterin werden? Die katholische Kirche lehrt, dass die Priesterweihe nur Männern vorbehalten ist. Diese Lehre beruht auf dem Beispiel Jesu, der nur Männer zu Aposteln berief, und auf der ununterbrochenen Tradition der Kirche. Papst Johannes Paul II. erklärte in der Apostolischen Konstitution „Ordinatio Sacerdotalis“ (1994) endgültig, dass die Kirche keine Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden. Diese Lehre ist als definitiv zu betrachten und bindet alle Gläubigen. Frage: Wie lange dauert die Ausbildung zum Priester? Die Ausbildung zum Priester dauert in der Regel sechs bis acht Jahre. Sie umfasst ein philosophisches und ein theologisches Studium sowie eine intensive geistliche und pastorale Formation. Die genaue Dauer kann je nach Diözese und den individuellen Umständen des Kandidaten variieren. Nach dem Studium folgt in der Regel die Weihe zum Diakon und dann nach etwa einem Jahr die Priesterweihe. Frage: Kann ein Priester sein Amt niederlegen? Ein Priester kann sein Amt nicht einfach niederlegen, da die Priesterweihe eine unauslöschliche Prägung hinterlässt. Er kann jedoch von der Ausübung seines Amtes dispensiert werden, wenn er darum bittet oder wenn schwerwiegende Gründe vorliegen. In solchen Fällen kann der Priester in den Laienstand zurückversetzt werden, aber die Weihe selbst bleibt bestehen. Der heilige Augustinus lehrt: „Die Weihe ist wie die Taufe: Sie kann nie rückgängig gemacht werden.“ (De baptismo contra Donatistas). Frage: Was ist der Unterschied zwischen einem Diözesanpriester und einem Ordenspriester? Ein Diözesanpriester gehört zu einer Diözese und ist dem Bischof unterstellt. Er dient in der Regel in einer Pfarrei oder in anderen diözesanen Einrichtungen. Ein Ordenspriester gehört zu einem Orden (z.B. Benediktiner, Franziskaner, Jesuiten) und lebt nach den Regeln seines Ordens. Er legt die evangelischen Räte (Armut, Keuschheit, Gehorsam) ab und dient oft in speziellen Aufgabenbereichen wie Bildung, Mission oder Exerzitien. Beide sind Priester, aber ihre Lebensform und ihr Dienst sind unterschiedlich. Frage: Kann ein verheirateter Mann Priester werden? In der lateinischen Kirche ist die Priesterweihe von verheirateten Männern in der Regel nicht erlaubt. Es gibt jedoch Ausnahmen für konvertierte Geistliche aus anderen christlichen Konfessionen. In den Ostkirchen, die mit Rom uniert sind, ist die Priesterweihe von verheirateten Männern die Regel. Die Frage wird weiterhin diskutiert, aber die derzeitige Disziplin der lateinischen Kirche bleibt bestehen.

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