Abendgebete für die Familie: gemeinsam mit Kindern beten

Aktualisiert am 04.10.2026 · 9 Min. Lesezeit

Es ist kurz vor acht. Die Zähne sind geputzt, das Licht im Flur ist schon aus, und eigentlich müssten die Kinder längst im Bett liegen. Und dann steht man da im Türrahmen und weiß nicht recht, wie man den Tag gemeinsam beenden soll. Ein Abendgebet gibt diesem Moment eine Form. Es dauert nicht lange, es braucht nichts weiter als ein paar Minuten und ein offenes Ohr.

Vielleicht haben Sie als Kind selbst abends gebetet, vielleicht ist das alles neu für Sie. Beides ist in Ordnung. Die Kirche schreibt kein Abendgebet vor. Sie empfiehlt es. Wer abends mit seinen Kindern betet, tut etwas Schlichtes: er legt den Tag in Gottes Hand und lässt die Kinder spüren, dass sie behütet sind.

Auf dieser Seite finden Sie einen Ablauf, der sich jeden Abend wiederholen lässt, Gebetstexte für verschiedene Altersstufen und einen Segen, den Eltern selbst sprechen können. Sie können alles übernehmen oder nur das, was zu Ihrer Familie passt.

Warum ein gemeinsames Abendgebet der Familie guttut

Kinder leben von Wiederholungen. Ein Gebet, das jeden Abend in ähnlicher Form gesprochen wird, gibt ihnen Halt. Sie wissen, was kommt, und sie wissen, dass sie dazugehören. Wenn ein Kind abends im Dunkeln Angst hat, hilft ihm ein fester Segenssatz mehr als jede Erklärung. Es merkt sich den Satz und spricht ihn später vielleicht allein.

Das gemeinsame Gebet ist auch für die Eltern da. Der Tag war voll, es gab Streit, es gab Eile, es gab Momente, die man lieber vergessen möchte. Im Gebet darf man den Tag ansehen, danken, um Vergebung bitten und ihn loslassen. Die Gewissenserforschung gehört seit alters zum Abendgebet. Man muss dafür kein Theologe sein. Ein Satz Dank, ein Satz Reue, ein Satz Bitte reichen.

Die Taufe verpflichtet Eltern, ihre Kinder im Glauben zu erziehen. Das klingt nach einer großen Aufgabe, ist aber im Alltag oft ganz klein. Das gemeinsame Gebet ist der einfachste Weg, den Glauben weiterzugeben, weil er nicht erklärt werden muss, sondern einfach getan wird. Wer mehr über die Formen des Gebets am Abend wissen will, findet bei den Abendgebeten für Erwachsene eine gute Ergänzung.

Der feste Ablauf am Abend: ein Ritual für die ganze Familie

Ein Ritual braucht keine lange Vorbereitung. Es braucht eine Reihenfolge, an die sich alle gewöhnen. Man kann mit dem Kreuzzeichen beginnen. Dann darf jedes Kind einen Satz sagen, wofür es heute dankbar ist. Danach folgt ein kurzes Gebet, das alle zusammen sprechen. Am Ende steht der Segen über die Kinder. Diese vier Schritte passen in fünf Minuten.

Die Reihenfolge ist wichtiger als die Formulierung. Kinder stört es nicht, wenn ein Gebet holprig klingt. Sie merken, ob es ehrlich gemeint ist. Wenn ein Kind müde ist und nur ein Wort herausbringt, ist das genug. Wer sich unsicher ist, wie ein Abendgebet aufgebaut sein kann, findet bei den Aufbau eines Abendgebets eine ruhige Anleitung.

Manche Familien zünden eine Kerze an oder stellen ein Kreuz auf den Nachttisch. Andere falten einfach die Hände. Beides ist recht. Das Abendgebet der Laien ist ein privates Gebet und keine Liturgie. Es braucht keine feste Zeit, keinen geweihten Ort und keine bestimmte Form. Es darf so schlicht sein, wie der Abend gerade ist.

Ein einfaches Abendgebet für die ganze Familie

Wenn alle beisammen sind, kann ein Gebet gesprochen werden, das die ganze Familie gemeinsam trägt. Es muss nicht auswendig gelernt werden. Man kann es abends vorlesen, bis es sich eingeprägt hat. Wichtig ist, dass alle mitmachen können, auch die Kleinen mit einem einzigen Wort.

Herr, unser Gott, wir danken dir für diesen Tag, den wir miteinander gehen durften. Für das, was heute schön war, danken wir dir. Für das, was heute schwer war, bitten wir um deine Hilfe. Vergib uns, wo wir einander wehgetan haben, und hilf uns, morgen freundlicher zu sein. Sei du bei jedem von uns in dieser Nacht, bei den Kindern, bei den Eltern und bei allen, die zu uns gehören. Dein Friede wohne in diesem Haus. Amen.

Gebetstext, eigene Formulierung.

Wer ein solches Gebet sucht, kann sich an bekannten Texten orientieren, etwa an einem Abendlied oder an einem kurzen Psalmvers. Auch ein selbst formulierter Satz genügt, solange er von allen mitgesprochen werden kann. Hilfreich ist es, das Gebet an einer festen Stelle aufzubewahren, damit es nicht jeden Abend gesucht werden muss. Mit der Zeit prägt es sich ein, und die Kinder können es mitsprechen, noch bevor sie lesen können. So wächst aus einem vorgelesenen Text ein gemeinsames Gebet, das die Familie durch die Jahre begleitet.

Manche Familien wechseln das Gebet nach der Jahreszeit. In der Adventszeit klingt es anders als in den Ostertagen, und im November kann der Gedanken an die Verstorbenen aufgenommen werden. Solche kleinen Veränderungen halten das Gebet lebendig, ohne die vertraute Form zu zerstören. Wichtig bleibt, dass alle Anwesenden einbezogen sind, auch der Vater oder die Mutter, die gerade erst nach Hause gekommen sind. Ein Abendgebet, das nur von einem gesprochen wird, während die anderen schweigen, verliert seinen Charakter als Familiengebet.

Abendgebet mit kleinen Kindern

Kleine Kinder beten in Bildern und kurzen Sätzen. Sie verstehen keine langen Erklärungen, aber sie spüren, ob ein Satz ruhig und freundlich klingt. Ein Gebet, das sich jeden Abend wiederholt, gibt ihnen Sicherheit. Sie dürfen mitreden, aber sie müssen nicht. Auch ein Kind, das nur zuhört, betet mit.

Lieber Gott, danke für diesen Tag. Danke, dass wir zusammen sein durften. Sei du bei jedem von uns in dieser Nacht, bei den Großen und bei den Kleinen. Behüte unser Haus und schenke uns einen guten Schlaf. Amen.

Gebetstext, eigene Formulierung, für Kinder zum Mitsprechen.

Es hilft, wenn die Eltern selbst mitbeten und nicht bloß zusehen. Kleine Kinder lernen durch Nachahmung. Wenn sie sehen, dass Mutter oder Vater die Hände falten und ruhig werden, tun sie es ihnen nach. Auch ein Lied kann das Gebet tragen, denn Melodien bleiben länger haften als Worte. Ein kurzer Vers, abends gesungen, wirkt oft tiefer als ein langer Text. Die Stimme der Eltern wird für das Kind zum vertrauten Klang, der mit dem Einschlafen verbunden bleibt.

Mit der Zeit darf das Kind selbst kleine Aufgaben übernehmen. Es kann die Kerze ausblasen, das Kreuzzeichen machen oder einen Satz sprechen. Solche Zeichenhandlungen geben ihm das Gefühl, wirklich dazuzugehören. Wichtig ist, dass die Eltern geduldig bleiben, wenn das Kind abends unruhig ist oder albern wird. Ein kurzes Innehalten genügt oft, um die Aufmerksamkeit zurückzuholen. Wer das Gebet mit kleinen Kindern übt, darf mit kleinen Schritten rechnen und braucht keine perfekte Form.

Müde bin ich, geh zur Ruh: das klassische Kindergebet

Das bekannteste deutsche Kindergebet stammt von Luise Hensel und wurde im Jahr 1817 verfasst. Seit zwei Jahrhunderten tragen Eltern es ihren Kindern vor, und viele Erwachsene erinnern sich noch an seinen Klang, wenn sie selbst längst nicht mehr beten. Der Grund für diese Dauer liegt in seiner Schlichtheit. Jede Zeile besteht aus wenigen Wörtern, die ein Kind versteht, und jede Strophe endet mit einer Bitte um Schutz. Der Reim prägt sich ein, noch bevor das Kind lesen kann. Das Gebet verlangt nichts und erklärt nichts. Es legt den Tag in Gottes Hand und lässt das Kind zur Ruhe kommen.

Müde bin ich, geh zur Ruh, schließe beide Äuglein zu. Vater, lass die Augen dein über meinem Bette sein.

Müde bin ich, geh zur Ruh, von Luise Hensel, 1817.

Der Text lautet:

Müde bin ich, geh zur Ruh, schließe beide Äuglein zu. Vater, laß die Augen dein über meinem Bette sein. Hab ich Unrecht heut getan, sieh es, lieber Gott, nicht an. Deine Gnad und Jesu Blut macht ja allen Schaden gut. Alle, die mir sind verwandt, Gott, laß ruhn in deiner Hand. Alle Menschen, groß und klein, sollen dir befohlen sein. Kranken Herzen sende Ruh, matte Augen lasse zu. Laß den Mond am Himmel stehn und die stille Welt bestehn.

Mit größeren Kindern gemeinsam beten

Mit acht oder zehn Jahren fangen Kinder an, Fragen zu stellen. Sie wollen wissen, warum man betet und ob es etwas ändert. Man muss darauf keine vollständigen Antworten haben. Es reicht, ehrlich zu sagen, dass man selbst nicht alles weiß und dass Beten trotzdem gut tut.

Jugendliche brauchen keine Kindergebete mehr. In dem Alter wird ein eigenes Gebet, ein Gespräch über den Tag oder stilles Beten am Bett wichtiger. Man kann fragen, ob sie allein beten wollen oder ob sie dabei sein möchten, wenn die Eltern beten. Der Respekt vor ihrer Entscheidung gehört zum gemeinsamen Gebet dazu.

Ein Abendgebet mit größeren Kindern darf auch Streitpunkte aufgreifen. Wenn am Tag etwas schiefgelaufen ist, kann man es beim Beten benennen. Wichtig ist, dass jedes Kind ein eigenes Wort sagen darf und dass die Eltern sich entschuldigen können, wenn sie im Unrecht waren. Ein Abendgebet ist kein Ersatz für eine Entschuldigung.

Der Segen über die Kinder am Abend

Der Segen über die Kinder geht auf Numeri 6,24-26 zurück, den aaronitischen Segen. Eltern können ihn sprechen. Ein Priestersegen ist eine eigene Handlung, aber der Segen der Eltern über ihre Kinder hat seinen festen Platz im Abendgebet. Man legt die Hand auf den Kopf des Kindes oder zeichnet ihm ein Kreuz auf die Stirn.

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. Amen.

Der aaronitische Segen, Numeri 6,24-26.

Der Segen ist keine Belohnung für gutes Betragen, sondern eine Zusage, die dem Kind gilt, auch wenn der Tag schwierig war. Eltern dürfen ihn sprechen, ohne sich als Priester auszugeben. Es ist ein Segen aus der Taufe heraus, den jeder Christ weitergeben kann. Wer unsicher ist, kann einen kurzen Satz wählen, etwa den Wunsch, dass Gott das Kind behütet und ihm Ruhe schenkt. Der Wortlaut ist weniger bedeutsam als die Geste, mit der er gesprochen wird.

Manche Eltern segnen ihre Kinder auch dann, wenn diese schon größer sind und nicht mehr danach fragen. Ein Kreuz auf die Stirn, ein kurzes Wort an der Tür, das bleibt im Gedächtnis. Im Erwachsenenalter erinnern sich viele Menschen an diese Geste, auch wenn sie den genauen Wortlaut vergessen haben. Der Segen am Abend ist damit eine Form, den Glauben weiterzugeben, die ohne viele Erklärungen auskommt und doch über Jahre wirkt.

Ein Abendgebet für die Familie in schweren Zeiten

Es gibt Abende, an denen ist nichts leicht. Vielleicht ist jemand krank, vielleicht fehlt Geld, vielleicht ist ein Mensch gestorben. Kinder merken das, auch wenn man nicht darüber spricht. Ein Gebet in schweren Zeiten muss nicht viel erklären. Es darf die Not einfach vor Gott bringen.

Herr, unsere Familie hat es gerade schwer, und wir können es dir nicht schönreden. Wir kommen so zu dir, wie wir sind: müde, besorgt, manchmal ratlos. Du siehst, was wir einander nicht sagen können. Halte uns zusammen, wo wir auseinanderlaufen. Gib uns für morgen ein wenig mehr Kraft und ein gutes Wort füreinander. Amen.

Gebetstext, eigene Formulierung.

Kinder fragen in solchen Nächten oft mehr, als die Eltern beantworten können. Es ist erlaubt, die eigene Ratlosigkeit zuzugeben und gemeinsam zu schweigen. Ein Gebet, das nur aus einem Seufzen besteht, ist auch ein Gebet. Manche Familien nehmen in schweren Zeiten ein Kreuz oder ein Bild in die Hand und betrachten es, bevor sie beten. Solche Zeichen helfen, das Unaussprechliche vor Gott zu tragen, ohne es in Worte fassen zu müssen.

Wenn die Not lange dauert, kann es sinnvoll sein, das Gebet mit anderen zu teilen, etwa in der Gemeinde oder im Gespräch mit einem Seelsorger. Das Familiengebet ersetzt keine Hilfe von außen, aber es kann sie begleiten. Eltern sollten darauf achten, dass Kinder nicht die Last der Erwachsenen tragen müssen. Ein kurzes Gebet, das die Sorge Gott übergibt, entlastet und lässt die Familie spüren, dass sie mit ihrer Not nicht allein bleibt.

Wenn ein Kind nicht beten will

Es kommt vor, dass ein Kind abends sagt: ich will nicht. Das ist kein Grund zur Sorge. Kinder probieren Grenzen aus, auch beim Beten. Man kann es dabei belassen und trotzdem selbst beten. Oft kommt das Kind nach ein paar Tagen von allein zurück.

Zwang hilft nicht. Wer ein Kind zum Gebet zwingt, erreicht das Gegenteil. Besser ist es, das Gebet kurz zu halten und den Raum offen zu lassen. Man kann sagen: du musst nicht mitbeten, aber du darfst zuhören. Das nimmt den Druck heraus.

Manchmal steckt etwas anderes dahinter. Vielleicht ist das Kind wütend, vielleicht traurig, vielleicht einfach müde. Ein kurzes Gespräch am Bett klärt mehr als eine Ermahnung. Wenn ein Kind gar nicht mehr beten will, darf man das aushalten und weiter für es beten.

Wie oft und wie lange sollte das Familiengebet dauern?

Die Kirche kennt kein Gebot, das ein Abendgebet vorschreibt. Das Abendgebet ist eine Empfehlung, keine Verpflichtung. Niemand sündigt, der es unterlässt. Diese Freiheit ist wichtig, denn sie nimmt den Druck aus dem Abend. Wer müde ist, darf es ausfallen lassen.

Das gemeinsame Gebet darf kurz sein. Fünf Minuten sind für viele Familien die realistische Form. An manchen Abenden werden daraus zehn, an anderen nur zwei. Das ist in Ordnung. Wer mehr Zeit hat, kann daraus ein längeres Gebet machen, etwa mit einem Psalm wie Psalm 4 oder Psalm 91.

Wichtiger als die Dauer ist die Regelmäßigkeit. Ein festes Ritual am Abend gibt Kindern Sicherheit. Wer eine Form sucht, die sich leicht einprägt, kann mit dem aaronitischen Segen beginnen und später weitere Gebete ergänzen. So wächst das Familiengebet mit den Kindern mit.

Häufig gestellte Fragen

Ab welchem Alter können Kinder mitbeten?

Sobald ein Kind sprechen kann, kann es mitbeten. Zuerst nur mit einem Wort, später mit einem Satz. Kleine Kinder beten in Bildern und kurzen Sätzen. Ein Gebet, das sich jeden Abend wiederholt, gibt ihnen Sicherheit. Die Reihenfolge ist wichtiger als die Formulierung. Auch ein Kind, das nur zuhört, betet mit.

Was betet man mit einem Kind, das noch nicht sprechen kann?

Man betet selbst und spricht den Segen über das Kind. Der aaronitische Segen aus Numeri 6,24-26 eignet sich dafür. Man kann das Kind auf den Arm nehmen, ihm ein Kreuz auf die Stirn zeichnen und einen kurzen Satz sagen. Das Kind versteht die Worte noch nicht, aber es spürt die Ruhe und die Nähe.

Muss das Familiengebet jeden Abend stattfinden?

Nein. Die Kirche kennt kein Gebot, das ein Abendgebet vorschreibt. Es ist eine Empfehlung, keine Verpflichtung, und niemand sündigt, der es unterlässt. Eine feste Gewohnheit hilft Kindern, aber es darf auch Abende geben, an denen es ausfällt. Wichtiger als die Häufigkeit ist, dass das Gebet ehrlich bleibt.

Was tun, wenn die Kinder abends nur streiten?

Streit am Abend lässt sich betend entschärfen, wenn jedes Kind ein eigenes Wort sagen darf und die Eltern sich entschuldigen können. Ein Abendgebet ist kein Ersatz für eine Entschuldigung. Wenn die Kinder zu müde sind, kann man das Gebet auf einen kurzen Segen verkürzen und den Streit am nächsten Tag klären.

Kann man das Familiengebet auch mit Teenagern beten?

Ja, aber anders. Jugendliche brauchen keine Kindergebete mehr. In dem Alter wird ein eigenes Gebet, ein Gespräch über den Tag oder stilles Beten am Bett wichtiger. Man kann fragen, ob sie allein beten wollen oder ob sie dabei sein möchten, wenn die Eltern beten. Der Respekt vor ihrer Entscheidung gehört dazu.

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