Abendgebet der Dankbarkeit: danken am Ende des Tages

Aktualisiert am 04.10.2026 · 6 Min. Lesezeit

Es ist spät. Sie liegen im Bett, der Tag zieht noch einmal vorbei, und irgendetwas fehlt. Vielleicht war der Tag voll und gut, und Sie wissen nicht, wo Sie anfangen sollen. Vielleicht war er schwer, und Sie möchten am liebsten gar nicht daran denken. Beides darf sein, wenn Sie jetzt beten.

Am Ende des Tages fällt der Blick fast von selbst auf das, was nicht geklappt hat, was offen geblieben ist, was wehgetan hat. Der Dank richtet den Blick auf das, was war. Er ist keine Bewertung des Tages und kein schönes Gefühl, das man herstellen müsste. Er ist ein Wort, das Sie sagen.

Warum Dankbarkeit am Abend den Tag verwandelt

Wenn Sie abends im Bett liegen, arbeitet der Kopf weiter. Ein Satz vom Vormittag, ein Blick, ein Termin, der morgen ansteht. Der Dank unterbricht das nicht mit Gewalt, aber er setzt einen anderen Anfang. Sie sagen zuerst, was gut war. Nicht weil alles gut war, sondern weil etwas da war, das Sie tragen konnte.

Die Psalmen machen das seit Jahrhunderten so. Sie danken oft mitten in der Not, nicht danach. Psalm 103 beginnt mit den Worten: Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Psalm 116 beginnt: Das ist mir lieb, daß der Herr meine Stimme und mein Flehen hört. Da ist noch nichts gelöst, und trotzdem wird gedankt.

Wer den Tag mit Dank beschließt, schläft nicht deshalb besser, weil er alles gelöst hat, sondern weil er sich nicht allein gelassen läßt. Das ist kein Trostspruch, sondern eine Übung. Sie können sie heute Abend beginnen, mit einem einzigen Wort. Wenn Sie mehr über die Formen wissen wollen, finden Sie die katholischen Abendgebete an anderer Stelle auf dieser Seite.

Das Abendgebet der Dankbarkeit

Das Abendgebet der Laien ist ein privates Gebet und keine Liturgie. Es braucht keine feste Form, keine bestimmte Zeit und keinen geweihten Ort. Sie können am Küchentisch sitzen, im Sessel oder im Bett liegen. Sie können laut sprechen oder nur denken. Was Sie brauchen, ist ein Anfang, und der Dank ist der einfachste.

Herr, ich danke dir für diesen Tag, für die Stunden, die mir geschenkt waren, für das Essen auf dem Tisch, für das Dach über dem Kopf und für die Menschen, die bei mir waren. Ich danke dir für das, was leicht war, und für das, was schwer war und mich geduldiger gemacht hat. Ich danke dir für jede Gnade, die ich bemerkt habe, und für die vielen, die ich übersehen habe. Was mir heute misslungen ist, lege ich in deine Barmherzigkeit. Was mir heute gelungen ist, ist dein Geschenk. Nimm meinen Dank an und behüte mich in dieser Nacht. Amen.

Gebetstext, eigene Formulierung.

Das folgende Gebet können Sie so beten, wie es dasteht, oder in Ihren eigenen Worten weiterführen. Sprechen Sie es langsam. Wenn Sie bei einem Satz hängen bleiben, bleiben Sie dort.

Sie müssen dabei nichts leisten. Die Kirche kennt kein Gebot, das ein Abendgebet vorschreibt. Das Abendgebet ist eine Empfehlung, keine Verpflichtung, und niemand sündigt, der es unterläßt. Wer es betet, tut es freiwillig, und genau darin liegt seine Kraft.

Ein kurzes Dankgebet für jeden Abend

Manche Abende lassen wenig Zeit, oder die Müdigkeit ist größer als der Wille. Für solche Abende genügt ein kurzes Gebet. Es dauert keine zwei Minuten und braucht keine Vorbereitung. Sie können es im Dunkeln sprechen, ohne das Licht anzumachen.

Vater im Himmel, ich danke dir für diesen Tag: für jede Freude, für jede Begegnung, für jede Hilfe, auch für die, die ich nicht bemerkt habe. Nimm meinen Dank an. Amen.

Gebetstext, eigene Formulierung.

Kurz heißt nicht oberflächlich. Ein einziges ehrliches Wort am Abend trägt weiter als ein langes Gebet, das Sie innerlich schon beendet haben, bevor es angefangen hat.

Wenn Sie merken, daß Sie öfter nicht wissen, wie Sie anfangen sollen, helfen Ihnen vielleicht einige Fragen zum Gebet weiter. Sie müssen nicht jedes Mal neu erfinden, was Sie sagen.

Danken, wenn der Tag schwer war

Es gibt Tage, an denen will der Dank nicht kommen. Ein Streit, eine schlechte Nachricht, ein Tag, an dem nichts gelungen ist. Dann fühlt sich der Dank wie eine Lüge an. Sie müssen trotzdem nicht schweigen.

Herr, ich wollte dir heute danken, und es fällt mir schwer. Alles in mir sträubt sich. Aber ich danke dir für das, was bleibt: dass du da bist, dass du mich nicht fallen ließest, dass dieser Tag ein Ende hat und nicht das letzte Wort. Ich danke dir für die Kraft, die ich heute bekommen habe, ohne zu wissen, woher sie kam. Amen.

Gebetstext, eigene Formulierung.

Gott kennt den Tag. Sie dürfen ihm den schweren Tag zeigen, so wie er war, und trotzdem ein Wort des Dankes sagen. Nicht für das Schwere, sondern für das, was auch an diesem Tag gehalten hat. Vielleicht war es nur, daß Sie ihn überstanden haben.

Wenn der Schmerz größer ist als der Dank, beten Sie zuerst um Trost. Auf dieser Seite finden Sie ein Gebet um Trost für solche Nächte. Der Dank kann später kommen, auch morgen.

Der Blick zurück: Dankbarkeit im Abendexamen

Die Gewissenserforschung ist ein alter Teil des Abendgebets. Sie sehen den Tag vor Gott an, danken, bereuen, bitten um Vergebung und legen den nächsten Tag in Gottes Hand. Der Dank steht am Anfang, nicht am Ende. Er ist der erste Schritt der Gewissenserforschung, nicht ein Zusatz dazu.

Das Abendexamen geht auf Ignatius von Loyola zurück, einen Priester des 16. Jahrhunderts. Es hat fünf Schritte: danken, um Licht bitten, den Tag durchgehen, bereuen, den nächsten Tag vornehmen. Es dauert etwa zehn bis fünfzehn Minuten, in kurzer Form auch fünf. Wer wenig Zeit hat, kann den Dank allein beten und den Rest stehenlassen.

Wer den Dank überspringt, sieht am Ende des Tages oft nur die Fehler. Das ist nicht dasselbe wie Reue. Reue braucht den Blick auf das Gute, sonst wird sie zur bloßen Selbstanklage. Wenn Sie sich auf die Beichte vorbereiten, finden Sie die Vorbereitung auf die Beichte mit einer ausführlichen Anleitung. Für den Abend genügt der erste Schritt, der Dank.

Danken für die Menschen des Tages

An jedem Tag gibt es Menschen, die etwas für Sie getan haben, oft ohne daß Sie es bemerkt haben. Jemand hat Ihnen die Tür aufgehalten, Ihnen zugehört, einen Satz gesagt, der hängen geblieben ist. Der Dank für einen Menschen des Tages ist konkret und leicht.

Guter Gott, ich danke dir für die Menschen, die mir heute begegnet sind: für die, die ein gutes Wort hatten, für die, die zugehört haben, für die, die mir geholfen haben. Ich danke dir auch für die, mit denen es schwierig war; segne sie, wie du mich segnest. Und die, an die heute niemand gedacht hat, nimm du in deinen Schutz. Amen.

Gebetstext, eigene Formulierung.

Nennen Sie den Namen. Wenn Sie sich an keinen Namen erinnern, nennen Sie die Begegnung. Gott kennt den Menschen, den Sie meinen.

Sie können diesen Dank mit einer Bitte verbinden, für den Menschen selbst. Das Gebet wird dadurch nicht länger, aber weiter. Es geht über Ihren Tag hinaus. Auch Abendgebete für die Familie können hier ihren Platz haben, wenn Sie mit anderen zusammen beten.

Dankbarkeit mit Kindern üben

Kinder lernen das Beten nicht durch Erklärungen, sondern durch Wiederholung. Ein kurzes Abendgebet, das jeden Abend gleich beginnt, prägt sich ein. Der Dank ist dafür der beste Anfang, weil Kinder dafür ein feines Gespür haben.

Lieber Gott, danke für diesen Tag. Danke für Mama und Papa, für mein Essen und mein Bett. Danke für alles, was schön war. Amen.

Gebetstext, eigene Formulierung, für Kinder zum Mitsprechen.

Die Kirche kennt keine Pflicht, mit Kindern zu beten, aber die Taufe der Kinder verpflichtet die Eltern, sie im Glauben zu erziehen. Das gemeinsame Gebet ist der einfachste Weg dazu. Es braucht keine besondere Form und keinen besonderen Ort.

Wenn Ihr Kind nicht mitbeten will, lassen Sie es zu. Sie können trotzdem Ihren Segen sprechen. Der Segen über die Kinder geht auf Numeri 6,24-26 zurück, den aaronitischen Segen. Eltern können ihn sprechen; ein Priestersegen ist eine eigene Handlung.

Die Psalmen als Schule des Dankens

Die Psalmen sind das Gebetbuch der Kirche, und sie danken anders, als wir es gewohnt sind. Sie danken nicht erst, wenn alles gut ist. Sie danken mitten in der Not, aus der Tiefe heraus. Psalm 4 sagt: Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, Herr, hilfst mir, daß ich sicher wohne.

Am Abend werden in der Kirche besonders Psalm 4, Psalm 91, Psalm 134, Psalm 63 und Psalm 121 gebetet. Es geht dabei nicht um ein Gefühl von Ruhe, sondern um Vertrauen. Das ist ein Unterschied. Vertrauen kann man sagen, auch wenn man nichts spürt.

Das Stundengebet, die Liturgie der Stunden, hat sieben Horen. Die Komplet ist die letzte, das Nachtgebet. Sie endet mit dem Lobgesang des Simeon aus Lukas 2,29-32 und mit dem marianischen Schlußgebet. Wer die Komplet betet, betet mit der ganzen Kirche, auch allein im Zimmer. Priester und Ordensleute sind dazu verpflichtet, Laien nicht, aber es steht allen offen.

Dankbarkeit als Gewohnheit: fünf Minuten am Abend

Für den Dank am Abend genügen drei Dinge: ein Wort für das, was heute gut war; ein Wort für etwas, das Sie zu schnell für selbstverständlich nehmen; ein Wort für einen Menschen des Tages. Mehr braucht es nicht. Sie können das in fünf Minuten tun.

Nehmen Sie sich einen festen Platz, am besten denselben. Setzen Sie sich aufrecht hin, atmen Sie einmal tief. Dann sagen Sie die drei Worte, laut oder leise. Wenn Sie mögen, schließen Sie mit dem Kreuzzeichen. Das ist alles.

Manche Tage werden leer bleiben. Dann sagen Sie trotzdem ein Wort, auch wenn es sich nicht so anfühlt. Die Gewohnheit trägt, wenn das Gefühl fehlt. Wenn Sie das regelmäßig tun, verändert sich nicht der Tag, aber Ihr Blick auf ihn. Für eine ausführlichere Form am Abend finden Sie die Gewissenserforschung am Abend mit den fünf Schritten nach Ignatius.

Häufig gestellte Fragen

Wie betet man ein Dankgebet am Abend?

Sie brauchen keine feste Form. Setzen Sie sich hin, machen Sie das Kreuzzeichen, und sagen Sie ein Wort für das, was heute gut war. Dann ein Wort für etwas, das Sie zu schnell für selbstverständlich nehmen, und ein Wort für einen Menschen des Tages. Sie können laut sprechen oder leise. Fünf Minuten genügen. Wer mag, schließt mit einem Psalm oder dem Engel des Herrn.

Was ist das Abendexamen?

Das Abendexamen geht auf Ignatius von Loyola zurück. Es hat fünf Schritte: danken, um Licht bitten, den Tag durchgehen, bereuen, den nächsten Tag vornehmen. Es dauert etwa zehn bis fünfzehn Minuten, in kurzer Form auch fünf. Der Dank steht am Anfang. Er ist der erste Schritt, nicht ein Zusatz. So sieht man den Tag vor Gott an, ohne nur die Fehler zu sehen.

Was kann ich danken, wenn der Tag schlecht war?

Danken Sie nicht für das Schwere, sondern für das, was auch an diesem Tag gehalten hat. Vielleicht war es nur, daß Sie ihn überstanden haben. Vielleicht ein Mensch, ein Wort, ein Augenblick Ruhe. Die Psalmen danken oft mitten in der Not, nicht danach. Wenn der Schmerz größer ist, beten Sie zuerst um Trost. Der Dank kann später kommen.

Muss Dankbarkeit ein Gefühl sein?

Nein. Dankbarkeit ist kein Gefühl, das man auf Knopfdruck herstellt. Im Beten ist der Dank ein Wort, das man sagt, auch wenn es sich zunächst nicht so anfühlt. Das ist keine Heuchelei. Sie sagen damit, daß Sie empfangen haben, auch wenn Sie es gerade nicht spüren. Mit der Zeit wächst das Gefühl nach, aber es ist nicht die Bedingung.

Kann man Dankbarkeit lernen?

Ja, durch Wiederholung. Nehmen Sie sich jeden Abend fünf Minuten, am besten am selben Platz. Sagen Sie die drei Worte: etwas Gutes, etwas Selbstverständliches, ein Mensch des Tages. Manche Abende bleiben leer, dann sagen Sie trotzdem ein Wort. Die Gewohnheit trägt, wenn das Gefühl fehlt. Mit der Zeit verändert sich Ihr Blick auf den Tag.

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