In den stillen Kämmerlein der Krankenzimmer, in den Hallen der Hospize und an den Betten derer, die von der Last des Alters oder einer schweren Diagnose gebeugt sind, vollzieht sich eines der tröstlichsten und zugleich am tiefsten missverstandenen Sakramente der katholischen Kirche: die Krankensalbung. Sie ist weit mehr als ein Ritual für die letzte Stunde; sie ist ein Sakrament der Heilung, der Stärkung und der innigen Zuwendung Gottes zu jenen, die unter der Zerbrechlichkeit des menschlichen Daseins leiden. In einer Welt, die oft nach schnellen Lösungen und medizinischer Machbarkeit strebt, erinnert uns dieses Sakrament an die ganzheitliche Dimension des Menschen – an die Einheit von Leib, Seele und Geist. Es ist ein Geschenk des Trostes, das nicht die Krankheit wegzaubert, aber dem Leid einen tiefen, heilsamen Sinn verleiht und die Gegenwart des barmherzigen Christus erfahrbar macht.

Was ist die Krankensalbung? Das Sakrament der Heilung

Die Krankensalbung ist eines der sieben Sakramente der katholischen Kirche und wird den „Sakramenten der Heilung" zugerechnet, gemeinsam mit dem Bußsakrament. Während die Beichte die Wunden der Seele heilt, richtet sich die Krankensalbung in besonderer Weise an den Menschen, der durch Krankheit oder hohes Alter in seiner leiblichen und seelischen Verfassung geschwächt ist. Der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) lehrt: „Die Krankensalbung ist nicht nur das Sakrament derer, die in unmittelbarer Todesgefahr schweben. Die geeignete Zeit, sie zu empfangen, ist schon gegeben, wenn der Gläubige beginnt, wegen Krankheit oder Altersschwäche in einer schweren Lebensgefahr zu sein" (KKK 1514).

Ihr Wesen ist nicht die magische Heilung von jeder Krankheit, sondern die geistliche Stärkung und der Trost, die aus der Begegnung mit dem leidenden und auferstandenen Christus fließen. Der heilige Jakobus, der Bruder des Herrn, schreibt in seinem Brief: „Ist einer von euch krank? Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde; sie sollen über ihn beten und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten; wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben" (Jak 5,14-15). Diese Schriftstelle ist der theologische Grundpfeiler des Sakramentes. Es ist ein Akt der Kirche, in dem die Gemeinschaft der Gläubigen den Kranken in die Fürsorge Christi hineinnimmt, ihn aufrichtet und ihm die Kraft schenkt, sein Leiden in der Nachfolge des Herrn zu tragen.

Die Wirkungen der Krankensalbung sind vielfältig. Sie vereint den Kranken enger mit dem Leiden Christi zu seinem eigenen Heil und dem der Kirche. Sie schenkt Trost, Frieden und Mut, die Schwierigkeiten der Krankheit oder des Alters in christlicher Haltung zu ertragen. Sie bewirkt, wenn es dem Heilsplan Gottes entspricht, die Wiederherstellung der leiblichen Gesundheit. Und schließlich bereitet sie den Kranken auf den letzten Übergang in das ewige Leben vor. Der heilige Thomas von Aquin betonte, dass dieses Sakrament die geistliche Stärkung sei, die den Menschen befähige, die letzte Prüfung des irdischen Lebens zu bestehen. Es ist ein Sakrament der Hoffnung, das den Horizont über das irdische Leiden hinaus auf die verheißene Auferstehung weitet.

„Die Krankensalbung ist kein Sakrament für die Toten, sondern für die Lebenden, die in der Gefahr des Todes sind. Sie ist die letzte Salbung, die den Christen für die letzte Schlacht ausrüstet." – Hl. Thomas von Aquin (Summa Theologica, Suppl. q. 29 a. 1)

Der biblische Ursprung: Salbung und Gebet der Ältesten

Die Wurzeln der Krankensalbung reichen tief in die Heilige Schrift hinein. Bereits im Alten Testament wird Öl als Zeichen der Heilung und der Weihe verwendet. Die Propheten salbten Könige und Priester, und das Öl galt als Symbol für den Geist Gottes und seine heilende Kraft. Der Prophet Jesaja spricht von der Verheißung des Herrn, die Wunden seines Volkes zu verbinden (vgl. Jes 61,1). Im Neuen Testament wird die Salbung mit Öl konkret mit der Heilung und der Sendung der Jünger verbunden. Im Markusevangelium heißt es: „Und sie vertrieben viele Dämonen und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie" (Mk 6,13). Dies zeigt, dass die Salbung mit Öl ein sichtbares Zeichen der göttlichen Heilkraft war, die durch die Jünger wirkte.

Der entscheidende und für die Kirche normative Text findet sich jedoch, wie bereits erwähnt, im Jakobusbrief. Dieser Text ist nicht nur ein historischer Bericht, sondern eine liturgische Anweisung für die Urgemeinde. Er nennt die wesentlichen Elemente des Sakramentes: den Kranken, der die Initiative ergreift („Ist einer von euch krank?"), die Ältesten der Gemeinde (die Priester), das Gebet des Glaubens, die Salbung mit Öl im Namen des Herrn und die Verheißung der Rettung, der Aufrichtung und der Sündenvergebung. Die „Ältesten" (griech. *presbyteroi*) sind die Vorläufer des heutigen Priestertums. Sie sind nicht einfach Freunde oder Familienmitglieder, sondern die von der Gemeinde beauftragten Amtsträger, die in der Vollmacht Christi handeln.

Dieser biblische Ursprung macht deutlich, dass die Krankensalbung kein privates Ritual ist, sondern ein liturgischer Akt der Kirche. Der Kranke wird nicht allein gelassen, sondern in die Mitte der betenden Gemeinde gestellt. Das „gläubige Gebet" ist nicht irgendein frommer Wunsch, sondern das vertrauensvolle Bitten der Kirche, die sich auf die Verheißung Christi stützt. Die Vergebung der Sünden, die hier erwähnt wird, ist ein wichtiger Aspekt, der die ganzheitliche Heilung betont. Krankheit kann den Menschen in eine Krise des Glaubens und der Beziehung zu Gott führen. Die Krankensalbung reinigt die Seele von den letzten Folgen der Sünde und bereitet den Weg für eine tiefere Versöhnung. Der heilige Augustinus lehrte, dass die Salbung die „letzte Ölung" sei, die den Christen für die Begegnung mit dem Bräutigam bereit mache.

Wer darf die Krankensalbung empfangen?

Die katholische Kirche lehrt, dass jeder getaufte Katholik, der das Vernunftalter erreicht hat und aufgrund von Krankheit oder Altersschwäche in einer schweren Lebensgefahr schwebt, die Krankensalbung empfangen darf. Es ist ein Sakrament für die Lebenden, nicht für die Verstorbenen. Der Empfänger muss getauft sein, da die Sakramente in der Regel an die Eingliederung in die Kirche durch die Taufe gebunden sind. Das Vernunftalter ist erreicht, wenn der Mensch in der Lage ist, einen eigenen Glaubensakt zu setzen und die Bedeutung des Sakramentes zu erfassen. Bei Kindern, die noch nicht das Vernunftalter erreicht haben, wird in Todesgefahr die Krankensalbung nicht gespendet, da sie noch keine persönliche Sünde begehen konnten; sie werden jedoch durch die Taufe und die Fürbitte der Kirche getragen.

Die entscheidende Voraussetzung ist der Zustand der „schweren Lebensgefahr" aufgrund von Krankheit oder Alter. Dies ist weiter zu fassen, als oft angenommen wird. Es muss nicht der unmittelbar bevorstehende Tod sein. Eine schwere Erkrankung wie Krebs, ein schwerer Schlaganfall, eine komplizierte Operation oder auch die zunehmende Gebrechlichkeit im hohen Alter sind klassische Anlässe. Auch eine plötzliche schwere Erkrankung oder ein Unfall, der den Betroffenen in Lebensgefahr bringt, berechtigt zum Empfang. Der Katechismus sagt: „Die geeignete Zeit, sie zu empfangen, ist schon gegeben, wenn der Gläubige beginnt, wegen Krankheit oder Altersschwäche in einer schweren Lebensgefahr zu sein" (KKK 1514).

Es ist ein großer Trost zu wissen, dass das Sakrament auch mehrmals empfangen werden kann. Wenn der Kranke nach der Salbung genesen ist oder sich sein Zustand stabilisiert hat und später erneut in eine schwere Krise gerät, darf er das Sakrament erneut empfangen. Auch bei chronischen Krankheiten, die immer wieder zu schweren Phasen führen, ist eine Wiederholung möglich. Die Kirche möchte den Menschen in jeder Phase seiner Gebrechlichkeit begleiten. Der heilige Papst Johannes Paul II. empfing die Krankensalbung mehrfach während seines langen Leidensweges. Dies zeigt, dass das Sakrament nicht als einmalige „letzte Ölung" missverstanden werden darf, sondern als wiederholbare Gabe der Stärkung auf dem Weg des Kreuzes.

Wann sollte man die Krankensalbung empfangen?

Die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt ist von großer pastoraler Bedeutung. Leider herrscht immer noch die falsche Vorstellung vor, die Krankensalbung sei das Sakrament der Sterbenden, die „Letzte Ölung", die man erst dann empfängt, wenn der Tod unmittelbar bevorsteht. Diese Verengung hat historische Gründe, die im Mittelalter zu einer Verschiebung des Verständnisses führten. Die Kirche hat jedoch in der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) das ursprüngliche Verständnis wiederhergestellt. Die Krankensalbung ist das Sakrament der Kranken, nicht nur der Sterbenden. Sie soll den Menschen in der Krise der Krankheit stärken, nicht erst im Angesicht des Todes.

Der ideale Zeitpunkt ist, sobald eine ernsthafte Erkrankung diagnostiziert wird oder die Gebrechlichkeit des Alters spürbar zunimmt. Vor einer schweren Operation ist der Empfang der Krankensalbung sehr zu empfehlen. Sie bereitet den Kranken geistlich auf den Eingriff vor, schenkt ihm Frieden und Vertrauen in die Hand Gottes. Auch bei einer plötzlichen schweren Erkrankung, wie einem Herzinfarkt oder Schlaganfall, sollte sofort ein Priester gerufen werden. Es ist ein Sakrament der Hoffnung, das den Kranken nicht aufgibt, sondern ihn in die heilende Gegenwart Christi stellt. Der heilige Karl Borromäus, ein großer Seelsorger der Pestzeit, ließ die Kranken in den Spitälern regelmäßig salben, um ihnen Trost und Kraft zu spenden.

Es ist ein Akt der Klugheit und der Liebe, das Sakrament nicht auf die letzte Stunde zu verschieben. Ein Kranker, der bei klarem Verstand und im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist, kann die Gnaden des Sakramentes viel bewusster empfangen. Er kann sich aktiv auf das Gebet einlassen, das Bußsakrament empfangen und sich mit der Eucharistie stärken lassen. Die Krankensalbung ist dann nicht der Schlusspunkt, sondern ein Meilenstein auf dem Weg der Heilung – sei es der leiblichen oder der geistlichen. Die Kirche ermutigt die Gläubigen, bei Eintritt einer ernsten Krankheit nicht zu zögern, sondern den Priester zu rufen. Wie der heilige Johannes Chrysostomus sagte: „Besser ist es, das Sakrament zu empfangen, wenn man noch stark ist, als wenn man schon im Sterben liegt."

Der Ablauf der Krankensalbung: Ritus und Gebete

Der Ritus der Krankensalbung ist in seinen Grundzügen einfach und tiefgründig. Er kann im Rahmen einer Messe oder außerhalb der Messe gefeiert werden, je nach den Umständen des Kranken und der Gemeinde. Der Priester, der als einziger Spender dieses Sakramentes fungiert, leitet die Feier. Der Ritus beginnt mit einer Begrüßung und einem Wort der Ermutigung. Der Priester besprengt den Kranken und den Raum mit Weihwasser, das an die Taufe erinnert und die Reinigung von Sünden symbolisiert. Es folgt ein Schuldbekenntnis, bei dem der Kranke, wenn möglich, seine Sünden bekennt oder zumindest seine Reue ausdrückt. Falls der Kranke schwer krank ist, kann der Priester die Generalabsolution erteilen, wenn die Voraussetzungen dafür gegeben sind.

Der Kern der Feier besteht aus zwei Hauptteilen: dem Gebet des Glaubens und der Salbung mit Öl. Nach der Lesung aus der Heiligen Schrift, die oft aus dem Jakobusbrief oder den Evangelien über die Heilungen Jesu stammt, folgt die Fürbitte für den Kranken. Der Priester legt dem Kranken die Hände auf – eine uralte Geste der Segnung und der Übertragung des Heiligen Geistes. Dann spricht er das große Dankgebet über das Krankenöl, das bereits am Gründonnerstag vom Bischof geweiht wurde. Dieses Gebet bittet Gott um die heilende Kraft des Heiligen Geistes für den Kranken.

Die eigentliche Salbung erfolgt an zwei Orten des menschlichen Leibes, die für die Sinne und das Handeln stehen: der Stirn und den Händen. Der Priester salbt die Stirn des Kranken mit dem geweihten Öl und spricht die sakramentalen Worte: „Durch diese heilige Salbung helfe dir der Herr in seinem reichen Erbarmen, er stehe dir bei mit der Kraft des Heiligen Geistes. Der Herr, der dich von Sünden befreit, rette dich, in seiner Gnade richte er dich auf." Diese Worte fassen die ganze Fülle der Sakramentsgnade zusammen: Erbarmen, Beistand, Befreiung von Sünden, Rettung und Aufrichtung. Nach der Salbung folgt das Vaterunser, das die Gemeinschaft mit Gott und der Kirche betont, und der abschließende Segen. Der gesamte Ritus ist von einer tiefen Ruhe und Würde geprägt, die dem Kranken und seinen Angehörigen Trost spendet.

Die Salbung mit Öl: Zeichen der Stärkung

Das Öl, das bei der Krankensalbung verwendet wird, ist nicht irgendein Öl. Es ist das „Krankenöl" (lateinisch: *oleum infirmorum*), das vom Bischof in der Chrisam-Messe am Gründonnerstag geweiht wird. Diese Weihe verbindet das Öl mit der Fülle des Priestertums Christi und der Kirche. Das Öl ist ein starkes, mehrdeutiges Symbol in der Bibel und in der christlichen Tradition. Es steht für Heilung, Stärkung, Freude und Weihe. Der barmherzige Samariter im Gleichnis Jesu gießt Öl und Wein in die Wunden des Überfallenen (vgl. Lk 10,34). Das Öl lindert den Schmerz und bereitet die Wunde auf die Heilung vor. In der Antike wurde Öl auch von Athleten verwendet, um ihre Muskeln vor dem Wettkampf zu stärken und geschmeidig zu machen.

In der Krankensalbung wird das Öl zum Zeichen der geistlichen Stärkung. Der Kranke wird gesalbt, um die Kraft des Heiligen Geistes zu empfangen, die ihn befähigt, die Prüfung der Krankheit zu bestehen. Die Salbung ist eine Art „geistliches Training" für den Kampf gegen Verzweiflung, Angst und Mutlosigkeit. Sie erinnert den Kranken daran, dass er nicht allein ist, sondern dass Christus selbst ihn in seinem Leiden begleitet. Der heilige Ambrosius von Mailand schrieb: „Das Öl ist das Zeichen der Barmherzigkeit Gottes, das die Wunden der Seele heilt und den Leib für die Auferstehung stärkt." Die Salbung auf der Stirn symbolisiert die Heilung der Gedanken und die Ausrichtung des Geistes auf Gott. Die Salbung der Hände symbolisiert die Heilung der Werke und die Befähigung, das eigene Leiden als Opfer mit Christus zu vereinen.

Das Öl ist auch ein Zeichen der Freude und der Festlichkeit. In der Bibel wird Öl verwendet, um Gäste zu ehren (vgl. Ps 23,5). Die Salbung des Kranken ist ein Akt der königlichen Ehre, die Gott seinem leidenden Kind erweist. Sie zeigt, dass der Kranke in den Augen Gottes kostbar und wertvoll ist, auch wenn er schwach und gebrechlich ist. Die Salbung ist eine Vorwegnahme der endgültigen Salbung in der Auferstehung, wenn Gott „alle Tränen von ihren Augen abwischen wird" (Offb 21,4). Der Geruch des heiligen Öls, oft mit Balsam oder anderen wohlriechenden Substanzen vermischt, erfüllt den Raum und erinnert an den „Wohlgeruch Christi" (2 Kor 2,15), der den Tod überwindet.

Krankensalbung und letzte Ölung: Ein Unterschied?

Ja, es gibt einen bedeutenden Unterschied, der jedoch oft missverstanden wird. Historisch wurde die Krankensalbung im Mittelalter fast ausschließlich als „Letzte Ölung" (*Extrema Unctio*) für Sterbende gespendet. Dies führte zu einer Verengung des Sakramentes auf den Moment des Todes und zu der weit verbreiteten Angst, die Salbung zu empfangen, weil man sie mit dem unmittelbar bevorstehenden Ende gleichsetzte. Das Zweite Vatikanische Konzil hat dieses Verständnis korrigiert und den ursprünglichen, weiteren Sinn des Sakramentes wiederhergestellt. Die Konstitution über die heilige Liturgie *Sacrosanctum Concilium* (Nr. 73) verfügte, dass die Krankensalbung „vielmehr die Salbung der Kranken" sei und nicht nur der Sterbenden.

Der Begriff „Letzte Ölung" ist daher irreführend und wird in der offiziellen Lehre der Kirche nicht mehr als primäre Bezeichnung verwendet. Die Kirche spricht nun von der „Krankensalbung" (*Unctio Infirmorum*). Die „Letzte Ölung" im eigentlichen Sinne ist vielmehr die Wegzehrung (Viaticum), die den Sterbenden auf die letzte Reise in das ewige Leben vorbereitet. Die Krankensalbung hingegen ist für die Phase der schweren Krankheit oder des Alters gedacht, unabhängig davon, ob der Tod unmittelbar bevorsteht oder nicht. Sie ist ein Sakrament der Heilung und Stärkung für den Kampf, nicht nur für den Abschied.

Dennoch hat die Krankensalbung auch eine eschatologische Dimension, das heißt, sie bereitet den Menschen auf die letzte Begegnung mit Gott vor. Wenn der Kranke in der Gnade Gottes stirbt, nachdem er die Krankensalbung empfangen hat, so hat ihn dieses Sakrament auf den Tod vorbereitet. In diesem Sinne kann man sagen, dass die Krankensalbung die „letzte Ölung" im Leben eines Christen sein kann, aber sie ist nicht auf diese Funktion beschränkt. Der heilige Papst Paul VI. betonte in der Apostolischen Konstitution *Sacram Unctionem Infirmorum* (1972), dass die Krankensalbung „das Sakrament der Kranken" ist, das den Gläubigen in der schweren Prüfung der Krankheit Trost und Stärke spendet.

Der Wegzehrung (Viaticum): Stärkung für die letzte Reise

Die Wegzehrung, lateinisch *Viaticum* (von *via* = Weg), ist ein eigenständiges Sakrament, das eng mit der Krankensalbung verbunden ist, aber eine eigene Bedeutung hat. Während die Krankensalbung die geistliche Stärkung für die Zeit der Krankheit ist, ist die Wegzehrung die letzte Eucharistie, die ein Sterbender empfängt. Sie ist die Nahrung für die letzte Reise von dieser Welt in die Ewigkeit. Jesus selbst hat sich uns in der Eucharistie als „Brot des Lebens" geschenkt (Joh 6,35), und dieses Brot begleitet den Christen auf seinem letzten Weg. Der Katechismus lehrt: „Die Wegzehrung ist der letzte Empfang der Eucharistie auf dem Weg ins Vaterhaus" (KKK 1524).

Der Empfang der Wegzehrung ist der Höhepunkt der Begleitung eines Sterbenden. Sie verbindet den Christen aufs Engste mit Christus, der durch den Tod hindurchgegangen ist und auferstanden ist. Der Sterbende wird durch die Kommunion gestärkt, um die Angst vor dem Tod zu überwinden und sich vertrauensvoll in die Hände des Vaters zu legen. Die Wegzehrung ist das Sakrament des Übergangs, das den Tod nicht als Ende, sondern als Durchgang zum ewigen Leben erscheinen lässt. Der heilige Ignatius von Antiochien nannte die Eucharistie das „Arzneimittel der Unsterblichkeit" (*pharmakon athanasias*), das den Christen für das ewige Leben stärkt.

In der Praxis wird die Wegzehrung oft zusammen mit der Krankensalbung und dem Bußsakrament gespendet. Man spricht dann von der „Versehung" oder der „Letzten Wegzehrung". Der Priester bringt die geweihte Hostie zum Kranken, spricht die entsprechenden Gebete und reicht ihm die Kommunion. Falls der Kranke nicht mehr schlucken kann, kann die Kommunion auch in Form des Blutes Christi (unter der Gestalt des Weines) gereicht werden. Die Wegzehrung ist ein Akt der zärtlichen Fürsorge der Kirche für ihre sterbenden Kinder. Sie zeigt, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, sondern dass Christus, der Auferstandene, den Sterbenden an der Hand nimmt und ihn durch die Pforte des Todes in das Licht des ewigen Lebens führt.

Trost für Familie und Angehörige

Die Krankensalbung ist nicht nur für den Kranken selbst ein Trost, sondern auch für seine Familie und Angehörigen. In einer Zeit der Angst, der Unsicherheit und der Trauer bietet das Sakrament einen Raum der Stille, des Gebets und der Gemeinschaft. Die Angehörigen sind oft hilflos und wissen nicht, wie sie dem Leidenden beistehen können. Die Feier der Krankensalbung gibt ihnen die Möglichkeit, aktiv zu werden, indem sie mit dem Priester beten, die Hand des Kranken halten und die heiligen Zeichen miterleben. Sie werden Zeugen der Gnade Gottes, die in diesem Augenblick sichtbar und spürbar wird.

Der Ritus der Krankensalbung hat eine starke gemeinschaftliche Dimension. Die Angehörigen werden in die Feier einbezogen, sie antworten auf die Gebete, sie singen oder sprechen mit. Sie erleben, dass der Kranke nicht allein gelassen wird, sondern dass die ganze Kirche – vertreten durch den Priester und die betende Gemeinschaft – ihn umgibt. Dies kann eine tiefe Beruhigung und einen inneren Frieden schenken. Die Familie sieht, dass ihr geliebter Mensch in den Händen Gottes geborgen ist, und dass das Leiden einen Sinn bekommt, der über das rein Medizinische hinausgeht. Der heilige Franz von Sales, der große Seelenführer, riet den Angehörigen, den Kranken in dieser Zeit mit Sanftmut und Geduld zu begleiten und ihm die Sakramente als größtes Geschenk zu ermöglichen.

Die Krankensalbung kann auch eine Gelegenheit zur Versöhnung innerhalb der Familie sein. Oft brechen in Zeiten der Krise alte Konflikte auf, oder unausgesprochene Worte lasten schwer. Der Priester kann ein offenes Ohr haben und zur Versöhnung ermutigen. Das Sakrament schafft einen Raum der Vergebung und des Friedens, der nicht nur den Kranken, sondern die ganze Familie heilt. Die Erinnerung an diese gemeinsame Feier bleibt den Angehörigen als ein Licht in der Dunkelheit der Trauer. Sie wissen, dass sie alles getan haben, um ihrem Liebsten den Beistand der Kirche zu schenken. Der Trost, der von der Krankensalbung ausgeht, ist wie ein Balsam, der die Wunden der ganzen Familie sanft berührt und heilt.

Häufige Missverständnisse über die Krankensalbung

Trotz der Klarstellungen durch das Zweite Vatikanische Konzil und die nachfolgende Lehre der Kirche halten sich hartnäckig einige Missverständnisse. Das größte und schädlichste ist die Gleichsetzung der Krankensalbung mit der „Letzten Ölung" für Sterbende. Viele Menschen haben Angst, den Priester zu rufen, weil sie glauben, dass dies den Tod beschleunige oder dass der Kranke dann „aufgegeben" werde. Dies ist ein Aberglaube, der dem Wesen des Sakramentes völlig widerspricht. Die Krankensalbung ist ein Sakrament der Hoffnung und der Heilung, nicht des Todes. Sie soll den Kranken stärken, nicht verabschieden. Der heilige Papst Johannes Paul II. hat dies in seinem eigenen Leben vorgelebt, als er nach dem Attentat 1981 die Krankensalbung empfing und dann noch viele Jahre lebte und wirkte.

Ein weiteres Missverständnis ist, dass nur Priester das Sakrament spenden dürfen. Dies ist korrekt, aber es wird oft fälschlicherweise angenommen, dass auch Diakone oder Laien dies tun könnten. Die Kirche lehrt klar, dass nur der geweihte Priester (Bischof oder Priester) der Spender der Krankensalbung ist, da er die Vollmacht hat, im Namen Christi und der Kirche zu handeln (vgl. KKK 1516). Ein weiteres Missverständnis ist, dass die Krankensalbung nur für körperlich Kranke sei. Sie ist auch für Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen geeignet, die das Vernunftalter erreicht haben und in einer schweren Krise stecken. Die Kirche sieht den Menschen ganzheitlich, und seelische Leiden sind nicht weniger real als körperliche.

Schließlich wird oft angenommen, dass die Krankensalbung automatisch zur leiblichen Heilung führe. Die Kirche lehrt, dass die leibliche Heilung eine mögliche, aber nicht die einzige oder primäre Wirkung des Sakramentes ist. Die primäre Wirkung ist die geistliche Stärkung, die Vergebung der Sünden und die innere Heilung. Gott heilt auf seine Weise, und manchmal ist die größte Heilung die, die den Menschen befähigt, sein Leiden in Frieden und Vertrauen anzunehmen und sich auf den Tod vorzubereiten. Der heilige Johannes vom Kreuz, der große Mystiker, erlebte in seiner eigenen schweren Krankheit die tiefe Tröstung durch die Sakramente, die ihn nicht von seinem Leiden befreite, ihn aber mit einer übernatürlichen Kraft erfüllte. Die Krankensalbung ist ein Geschenk der Barmherzigkeit, das uns lehrt, dass Gott in unserer Schwachheit mächtig ist.

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