Es ist sieben Uhr zwanzig, der Ranzen steht an der Tür, und das Kind sucht noch den einen Turnschuh. Sie haben vielleicht keine Minute für ein langes Gebet. Aber Sie haben eine Minute für einen Satz, für eine Hand auf der Schulter und für ein Kreuzzeichen auf die Stirn.
Vielleicht ist es aber auch anders. Vielleicht steht ein Kind vor einer Prüfung und kann nicht schlafen. Vielleicht ist eine Lehrerin im November so müde, dass sie morgens im Auto sitzt und nicht aussteigen will. Für all diese Momente ist diese Seite gedacht.
Die katholische Kirche kennt den Glauben an die Schutzengel seit ihren Anfängen. Sie verspricht dabei nichts Magisches, und sie verspricht keine guten Noten. Sie verspricht etwas Ruhigeres: dass niemand diesen Weg allein geht.
Der Katechismus der Katholischen Kirche sagt in Nummer 328, dass das menschliche Leben vom Anfang bis zum Tod von der wachsamen Sorge und der Fürsprache der Engel umgeben ist. Nummer 336 wird deutlicher: Neben jedem Gläubigen steht ein Engel als Beschützer und Hirt, der ihn zum Leben führt. Der Katechismus zitiert dort den heiligen Basilius den Großen. Jeder Mensch hat einen Schutzengel, ob getauft oder nicht; wann genau der Engel gegeben wird, hat die Kirche nie festgelegt.
Am Schultag greifen Familien zu zwei Versen. In Exodus 23,20 spricht Gott: Ich sende einen Engel vor dir her, damit er dich auf dem Weg behütet. Und Psalm 91,11 sagt: Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen. Der Schulweg ist der Weg, den die meisten Familien jeden Tag gehen, oft zweimal.
Für Kinder ist Matthäus 18,10 der Trostvers: Jesus spricht von den Engeln der Kleinen, die im Himmel allezeit das Angesicht des Vaters schauen. Und das Buch Tobit, Kapitel 5 bis 12, erzählt, wie der Erzengel Rafael mit dem jungen Tobias zieht, ihn auf der Straße behütet und ihn heim bringt. Tobit 12,15 lässt Rafael sagen, er sei einer der sieben Engel, die vor dem Herrn stehen. Katholiken lesen das als Bild für den Engel, der mit einem Kind geht, das das Haus verlässt. Der Engel geht mit dem Kind, nicht mit dem Gebäude. Er hängt nicht an der Schulmauer, sondern an diesem einen Menschen.
Es gibt ein kurzes Gebet, das viele Großmütter noch auswendig können und das Kinder in der ersten Klasse lernen. Es lautet:
„Heiliger Schutzengel mein, lass mich dir empfohlen sein. Dir hat Gott mich anvertraut, dass du mich behütest und bewahrst. Amen.“
Man muss dazu ehrlich sagen: Das ist eine alte private Frömmigkeit. Es ist keine Formel der Kirche, und kein Katholik ist verpflichtet, es zu beten. Wer mehr über den Ursprung solcher Gebete wissen möchte, steht das Schutzengelgebet und seine Geschichte an anderer Stelle. Für kleinere Kinder gibt es außerdem das Schutzengelgebet für Kinder, und wer um mehr bittet als um einen guten Schultag, betet das Schutzengelgebet um Schutz.
Am Tor bleibt man stehen. Die Hand liegt auf der Schulter, der Daumen zeichnet ein kleines Kreuz auf die Stirn. Das ist kein Text der Kirche, sondern ein Gebet in unseren eigenen Worten. Man kann es leise sagen oder nur denken.
Guter Gott, du siehst mein Kind, wenn ich es nicht mehr sehe. Sei bei ihm in der Klasse, in der Pause, auf dem Heimweg. Gib ihm einen wachen Blick und ein freundliches Wort. Behüte es, und behüte die, die heute mit ihm lernen. Und mich lehre loslassen. Amen.
Ein Elternteil darf sein Kind mit dem Kreuzzeichen segnen; ein Priester segnet Menschen, Häuser und Schulen im Namen der Kirche, und die Kirche hat dafür ein Buch der Segnungen mit Gebeten für Schüler und für Schulen. Wer den Tag ausführlicher beginnen will, kann das Morgengebet katholisch beten. Abends passt das Schutzengelgebet in der Nacht dazu, wenn die Sorgen im Dunkeln größer werden.
Vor der Prüfung beten Katholiken seit Jahrhunderten die alte Pfingstantiphon der Kirche: Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen. Man kann sie singen oder einfach sagen. Der Hymnus Veni Sancte Spiritus gehört zum Pfingstfest und wird gern vor dem Lernen gebetet.
Als Patrone nennt die Kirche für die Schule den heiligen Thomas von Aquin, den Dominikanertheologen von 1225 bis 1274, den Patron der Schüler und der katholischen Schulen. Sein Fest ist der 28. Januar. Für Prüfungen ist der heilige Josef von Cupertino bekannt, 1603 bis 1663, sein Fest ist der 18. September.
Thomas von Aquin hat gelehrt, dass die Gnade auf der Natur aufbaut. Das heißt schlicht: Beten ersetzt keine Hausübung. Wer die Vokabeln nicht gelernt hat, wird sie auch mit dem besten Gebet nicht wissen. Wiederholung, Pausen und Schlaf gehören zur Vorbereitung, nicht gegen sie. Und die Kirche bittet Katholiken ausdrücklich, für den Körper ebenso zu sorgen wie für die Seele. Ärzte, Medikamente und Behandlung sind kein Mangel an Glauben.
Manche Kinder weinen am Tor. Manche wollen nach den Ferien nicht mehr hinein, weil die Klasse neu ist oder weil niemand mit ihnen spricht. Und manche werden gemobbt, jeden Tag, in einem Raum, den Erwachsene nur selten betreten.
Da hilft kein frommer Satz allein. Was hilft, ist das Gespräch mit der Lehrkraft, mit der Klassenvorständin, mit der Schulleitung. Man darf nachfragen, man darf schriftlich nachfragen, und man darf erwarten, dass die Schule handelt. Der Engel ersetzt diese Erwachsenen nicht. Er ersetzt die Lehrerin nicht, die einschreitet, und nicht den Direktor, der eine Regel durchsetzt.
Was der Engel auch nicht tut: Er nimmt einem ängstlichen Kind die Angst nicht von selbst ab. Hält die Angst Wochen an, kommt der Kinderarzt oder die Kinderpsychologin dazu. Gebet und dieser Schritt gehören zusammen, nicht gegeneinander. Der Katechismus sagt, der Engel führe den Menschen zum Leben, vor allem im Blick auf das Heil. Das ist ein großes Wort und ein nüchternes. Wer für die ganze Familie beten möchte, findet das Gebet für die ganze Familie.
Es gibt den November, in dem eine Lehrerin nach der sechsten Stunde im leeren Klassenzimmer sitzt und nicht weiß, woher sie die Kraft für den nächsten Tag nehmen soll. Es gibt die Schulwartin, den Busfahrer, die Sekretärin, die jeden Morgen zwanzig kranke Kinder am Telefon hat.
Der Patron der Lehrer ist der heilige Johannes Baptist de La Salle, 1651 bis 1719. Er hat für arme Buben kostenlose Schulen eröffnet. Sein Fest ist der 7. April.
Auch das folgende Gebet ist unser eigenes, kein Text der Kirche.
Herr, gib mir Geduld mit dieser Klasse, auch mit dem Kind, das mich heute am meisten fordert. Gib mir einen Blick für den, der still leidet. Schenk mir eine Pause, einen Kaffee, ein freundliches Wort von einem Kollegen. Und wenn ich abends nicht mehr kann, lass mich wissen, dass es genug war für heute. Amen.
Man sollte es klar sagen. Der Schutzengel hebt keine Note. Er entfernt keinen Raufbold aus der Klasse. Er macht ein unruhiges Kind nicht von allein ruhig, und er verhindert keinen Unfall, keine Krankheit und keinen Tod. Die Kirche warnt davor, Engel wie Glücksbringer zu behandeln: keine Sprüche, keine Engelszahlen, keine Suche nach versteckten Botschaften, kein Ersatz für ärztliche Hilfe. Weihwasser, eine gesegnete Medaille, ein Kreuz und das Kreuzzeichen sind Sakramentalien, also Gebete der Kirche, und keine Magie.
Dass Hilfe sich verzögern kann, steht schon in der Schrift. Daniel 10,13 zeigt einen Engel, der aufgehalten wird. Auch das gehört zur Ehrlichkeit dieses Glaubens.
Und doch bleibt der Trost. Psalm 91,5 sagt: Du wirst nicht fürchten das Grauen der Nacht. Psalm 34,7 sagt: Der Engel des Herrn lagert sich um die her, die ihn fürchten. Und der Hebräerbrief nennt die Engel dienende Geister, gesandt zum Dienst. Was der Engel vor allem behütet, ist der Mensch im Blick auf sein Heil. Das ist weniger, als manche versprechen, und mehr, als wir fassen können.
Ein eigenes Schultor-Gebet kennt die Kirche nicht. Familien beten den alten Spruch vom heiligen Schutzengel oder einen freien Satz am Tor. Dazu passen Exodus 23,20 und Psalm 91,11, die klassischen Reiseverse. Der Schulweg ist der Weg, den Familien am häufigsten gehen.
Viele sagen die alte Pfingstantiphon: Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen. Als Patron der Prüflinge gilt der heilige Josef von Cupertino, als Patron der Schüler der heilige Thomas von Aquin. Beten ersetzt aber kein Lernen, denn nach Thomas baut die Gnade auf der Natur auf.
Nein. Der Engel ersetzt nicht die Erwachsenen, die einschreiten können. Bei Mobbing gehört das Gespräch mit der Lehrkraft und der Schulleitung dazu, ruhig und beharrlich. Hält die Angst Wochen an, kommen Kinderarzt oder Kinderpsychologin dazu. Gebet und diese Schritte gehören zusammen.
Der heilige Thomas von Aquin, 1225 bis 1274, ist Patron der Schüler und der katholischen Schulen, sein Fest ist der 28. Januar. Für Prüfungen wird der heilige Josef von Cupertino angerufen, Fest am 18. September. Patron der Lehrer ist der heilige Johannes Baptist de La Salle, Fest am 7. April.
In staatlichen Schulen gibt es dafür enge rechtliche Grenzen, die je nach Land verschieden sind. Eine Lehrkraft darf nie Druck ausüben. In katholischen Schulen gehört das Gebet zum Schulleben. Ein Priester segnet Schüler und Schulen im Namen der Kirche, das Buch der Segnungen enthält solche Gebete.
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