Es ist Nacht, und jemand, den du liebst, ist noch unterwegs. Oder du liegst selbst wach und die Angst lässt dich nicht los. Vielleicht steht morgen eine Operation an, ein Gerichtstermin, eine Straße, die du fürchtest.
In solchen Stunden beten viele Menschen zu ihrem Schutzengel. Das ist kein Aberglaube und keine Notlüge. Die Kirche lehrt seit ihren Anfängen, dass jedem Menschen ein Engel zur Seite steht.
Auf dieser Seite findest du das alte Schutzengelgebet, ein längeres Gebet in eigenen Worten und eine ehrliche Antwort auf die Frage, was ein Engel tun kann und was nicht.
Der Katechismus der Katholischen Kirche sagt in Nummer 328, dass das menschliche Leben vom Anfang bis zum Tod von der wachsamen Sorge und Fürsprache der Engel umgeben ist. Nummer 336 wird deutlicher: Neben jedem Gläubigen steht ein Engel als Beschützer und Hirt, der ihn zum Leben führt. Der Katechismus zitiert an dieser Stelle den heiligen Basilius den Großen.
Die Heilige Schrift spricht oft davon. Psalm 91,11 sagt: Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen. Im selben Psalm heißt es in Vers 5: Du brauchst dich nicht zu fürchten vor dem Schrecken der Nacht. Jesus selbst spricht in Matthäus 18,10 von den Engeln der Kleinen, die immer das Angesicht des Vaters schauen. Und in Exodus 23,20 sagt Gott: Ich sende einen Engel vor dir her, damit er dich auf dem Weg behütet.
Wichtig ist, worauf sich dieser Schutz richtet. Der Engel behütet den Menschen, nicht ein Haus und nicht ein Auto. Die Kirche kennt den Brauch, eine Wohnung, ein Fahrzeug oder eine Reise zu segnen. Ein Segen ist ein Gebet der Kirche. Er ist kein Talisman, der Blech und Mauern hält. Der Engel ist an dich gebunden, nicht an deine Sachen. Wer mehr über den Unterschied zwischen Schutzengeln und Erzengeln wissen möchte, findet hier eine Einordnung: Schutzengel und Erzengel im Unterschied. Jeder Mensch hat einen Schutzengel, ob getauft oder nicht. Wann genau der Engel einem Menschen gegeben wird, hat die Kirche nie festgelegt.
Der bekannteste Text lautet so:
"Heiliger Schutzengel mein, lass mich dir empfohlen sein. Dir hat Gott mich anvertraut, dass du mich behütest und bewahrst. Amen."
Dieses Gebet stammt aus der privaten Frömmigkeit. Es ist keine Formel der Kirche, kein Sakrament und kein liturgischer Text. Es steht in Gebetbüchern, es wird Kindern beigebracht, es wird seit Generationen am Bett gesprochen. Wer es betet, betet als Getaufter zu einem Geschöpf Gottes und bittet um dessen Fürsprache. Anbetung gebührt allein Gott. Einen Engel kann und darf niemand befehlen. Wenn dir dieser kurze Text zu knapp ist für deine Lage, gibt es eine ausführliche Fassung für den Alltag: das Schutzengelgebet für den Alltag.
Die folgenden Worte sind unser eigenes Gebet. Sie sind kein Text der Kirche, sondern ein Versuch, die Angst in Sätze zu bringen. Du kannst sie übernehmen oder abwandeln, je nachdem, was du gerade brauchst.
Herr, ich habe Angst. Ich bitte dich um Schutz für mich und für die Menschen, die mir lieb sind. Schick deinen Engel auf den Weg, den ich heute gehe, auf die Straße bei Nacht, in den Operationssaal, in den Gerichtssaal, in das Gespräch, das ich fürchte. Gib dem Engel Macht über das, was ich nicht im Griff habe. Gib mir einen klaren Kopf, damit ich nicht leichtsinnig werde und nicht in Panik gerate. Und wenn ich nicht mehr beten kann, dann lass den Engel für mich bitten. Amen.
Wenn du möchtest, kannst du vorher oder nachher das das Psalm 91 Gebet sprechen. Es ist ein alter Psalm und ein Gebet der Kirche, kein Ersatz für Vorsicht, sondern eine Bitte um Beistand. Für die ganze Familie gibt es außerdem das Schutzengelgebet für die Familie.
Manchmal reicht es nur zu einem Satz. Heiliger Schutzengel, sei bei mir. Behüte mich. Geh mit mir. Oder: Heiliger Schutzengel, bitte für mich. Solche Stoßgebete sind erlaubt und gut. Sie sind kein Zeichen von schwachem Glauben.
In vielen Gemeinden wird am Ende der Messe noch das Gebet zu Erzengel Michael gebetet. Es beginnt mit den Worten: Heiliger Erzengel Michael, verteidige uns im Kampf, sei unser Schutz gegen die Bosheit und die Nachstellungen des Teufels. Wer dieses Gebet kennenlernen will, findet hier mehr: das Gebet zu Erzengel Michael.
In der Bibel gibt es eine Szene, die Mut macht. Der Diener des Elisa sieht ein Heer und fürchtet sich. Elisa betet, Gott möge ihm die Augen öffnen. Da sieht der Diener die Berge voller feuriger Rosse und Wagen, die Elisa umgeben. Die Gefahr war nicht kleiner geworden. Aber der Diener sah, dass er nicht allein war.
Und wenn du selbst nicht beten kannst, dann bitte den Engel, für dich zu beten. Das ist kein Trick. Die Kirche bittet Engel und Heilige um ihre Fürsprache. Dein Engel steht vor Gott. Er kann das aussprechen, wofür dir die Worte fehlen.
Beten heißt nicht, dass nichts passiert. Das Buch Daniel erzählt in Kapitel 10,13, dass die Hilfe des Engels aufgehalten wurde. Dreiundzwanzig Tage lang kam keine Antwort. So kann es sein. Hilfe kann sich verzögern. Wir verstehen nicht immer, warum.
Der Engel ist keine Versicherung. Die Kirche hat nie gelehrt, dass Christen keine Unfälle erleiden, nicht krank werden und nicht sterben. Die erste Aufgabe des Engels gilt dem Heil des Menschen. Er führt ihn zum Leben bei Gott. Das ist mehr als körperliche Sicherheit, auch wenn wir uns oft zuerst die wünschen.
Krankheit, Unfall und Tod treffen auch gute Menschen. Das ist schwer auszuhalten und es widerspricht nicht dem Glauben. Wer einen Engel an seiner Seite hat, ist nicht vor Leid geschützt. Er ist in seinem Leid nicht allein. Das ist keine fromme Floskel, sondern die Zusage, die die Schrift gibt: Der Engel des Herrn lagert sich um die her, die ihn fürchten, und er rettet sie.
Die Kirche warnt davor, Engel wie Glücksbringer zu behandeln. Zaubersprüche gehören nicht dazu. Engelszahlen, versteckte Botschaften in Zahlen oder Zeichen, die Suche nach geheimen Hinweisen im Alltag, all das ist nicht der Glaube der Kirche. Ein Engel ist kein Orakel. Er schickt keine Codes.
Ebenso ernst ist eine andere Warnung. Niemand darf wegen eines Engels eine Behandlung abbrechen. Ärzte, Medikamente und Therapien sind kein Mangel an Vertrauen. Die Kirche bittet die Gläubigen, für den Leib zu sorgen wie für die Seele. Wer eine notwendige Operation verweigert, weil er meint, der Engel werde es schon richten, prüft Gott.
Weihwasser, eine geweihte Medaille, ein Kruzifix und das Kreuzzeichen sind Sakramentalien. Das heißt: Es sind Gebete der Kirche in sichtbarer Form. Sie sind keine magischen Gegenstände. Eine Medaille schützt nicht, weil sie aus Metall ist, sondern weil sie an den Glauben erinnert und zum Gebet ruft. Wer eine Schutzengel-Medaille trägt, trägt eine Erinnerung an den Engel, kein Amulett.
Man betet zu dem Schutzengel, der einem persönlich anvertraut ist. Jeder Mensch hat einen solchen Engel, ob getauft oder nicht. Man kann auch den Erzengel Michael um Schutz bitten, besonders in Gefahr und Versuchung. Anbetung gebührt aber allein Gott. Engel sind Geschöpfe, die für uns bitten, nicht Gottheiten, die wir anrufen.
Der bekannte Text lautet: Heiliger Schutzengel mein, lass mich dir empfohlen sein. Dir hat Gott mich anvertraut, dass du mich behütest und bewahrst. Amen. Es ist ein Gebet aus der privaten Frömmigkeit, kein offizieller Text der Kirche. Man kann es am Morgen, am Abend oder in einer Angst sprechen, allein oder mit Kindern.
Er kann bewahren, aber er ist keine Versicherung. Die Kirche hat nie gelehrt, dass Christen keine Unfälle erleiden. Die erste Aufgabe des Engels gilt dem Heil des Menschen. Er führt ihn zum Leben bei Gott. Körperliche Sicherheit ist nicht garantiert. Wer glaubt, betet um Schutz und bleibt trotzdem vorsichtig, weil beides zusammengehört.
Ja. Man darf um alles bitten, was einen wirklich beschäftigt, auch um Kleinigkeiten wie eine gute Fahrt oder ein ruhiges Gespräch. Wichtig ist, dass die Bitte kein Befehl ist. Der Engel ist kein Diener, den man einsetzt. Man bittet um seine Fürsprache bei Gott. Auch kleine Anliegen sind erlaubt.
Nein, wenn man sie richtig versteht. Eine geweihte Medaille ist ein Sakramentale, also ein Gebetszeichen der Kirche. Sie erinnert an den Engel und ruft zum Beten. Sie ist kein Talisman und wirkt nicht durch sich selbst. Wer sie wie einen Glücksbringer behandelt oder sich magische Wirkung von ihr erwartet, entfernt sich vom Glauben.
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