Gebet für Kranke: was man betet, wenn Worte fehlen

Wenn ein Mensch schwer erkrankt, geraten Angehörige oft an eine Grenze. Man sitzt am Bett, hält eine Hand und weiß nicht, was man sagen soll. Die Kirche kennt für diese Situation seit Jahrhunderten Gebete, die den Kranken und die Begleitenden tragen. Sie sind keine Zauberformeln, sondern Worte, die man leihen kann, wenn die eigenen fehlen.

In diesem Beitrag finden Sie Gebete für Angehörige und für den Kranken selbst, dazu den Psalm 121 und Fürbitten für den Gottesdienst. Außerdem geht es um die Frage, wie man betet, wenn der Kranke nicht mehr sprechen kann. Alles lässt sich sofort verwenden, am Krankenbett, im Krankenhaus oder zu Hause.

Warum die Kirche für Kranke betet

Die Kirche betet für Kranke, weil Jesus selbst Kranke besucht und geheilt hat. Im Matthäusevangelium heißt es, er habe alle geheilt, die zu ihm gebracht wurden. Dieses Handeln setzt sich fort, wenn Christen für einen kranken Menschen beten.

Im Jakobusbrief steht der Auftrag, den Kranken zu rufen und über ihm zu beten. Daraus ist das Sakrament der Krankensalbung entstanden. Es wird oft mit Beichte und Kommunion gefeiert und stärkt den Kranken in Leib und Seele.

Das Gebet der Kirche gilt auch den Angehörigen. Wer pflegt, wacht und wartet, trägt eine Last, die kaum sichtbar ist. Die Gemeinde betet mit, damit niemand in dieser Zeit allein bleibt.

Gebet für einen kranken Angehörigen

Als Angehöriger beten Sie anders als der Kranke selbst. Sie bringen Ihre Angst, Ihre Müdigkeit und Ihre Ohnmacht vor Gott. Es ist erlaubt, ehrlich zu sein. Ein Satz wie «Herr, ich weiß nicht weiter» genügt.

Sie können für Heilung beten und gleichzeitig um Kraft bitten, wenn Heilung ausbleibt. Beides gehört in dasselbe Gebet. Gott hört nicht nur den einen Teil. Viele Angehörige beten morgens kurz vor dem ersten Handgriff und abends nach dem letzten.

Wenn Sie mögen, zünden Sie eine Kerze an. Legen Sie ein Kreuz oder ein Bild der Gottesmutter auf den Nachttisch. Solche Zeichen helfen, den Tag zu ordnen. Sie beten nicht statt des Kranken, sondern an seiner Seite.

Herr, ich komme zu dir, weil ich nichts mehr tun kann. Ich habe die Formulare ausgefüllt, die Termine gemacht, die Telefone abgehört. Jetzt sitze ich hier. Nimm meine Hilflosigkeit und mach etwas daraus. Sei du bei ihm, wenn ich nicht im Zimmer sein kann. Sei du bei mir, wenn ich nach Hause gehe und die Wohnung still ist. Und schenke mir die Kraft, morgen wieder hinzufahren. Amen.

Unsere eigene Formulierung, für die, die mit einem Kranken leben. Kein kirchlich approbierter Text.

Kurze Bitten, die man sofort sprechen kann

Herr Jesus, du bist der Arzt unserer Seelen und unseres Leibes. Ich bitte dich: heile mich und alle Kranken, die mir anvertraut sind. Gib uns Geduld, Glauben und Hoffnung, auch wenn die Heilung auf sich warten lässt. Amen.

Kurze Anrufung an Christus, eigene Formulierung.

Heilige Maria, Gesundheit der Kranken, bitte für uns. Zeige uns deine mütterliche Fürsorge und lege unsere Bitten deinem Sohn Jesus vor. Tröste die Kranken, stärke die Pflegenden und schenke allen Leidenden Hoffnung. Amen.

Kurze Anrufung an die Gottesmutter, eigene Formulierung.

Gebet mit dem Kranken selbst

Fragen Sie zuerst, ob der Kranke beten möchte. Manche möchten nur zuhören. Beginnen Sie dann leise mit dem Kreuzzeichen. Sprechen Sie langsam, lassen Sie Pausen zu. Der Kranke muss nichts wiederholen.

Viele Kranke können das Vaterunser auswendig. Beten Sie es gemeinsam, wenn es geht. Wenn nicht, sprechen Sie es allein und halten dabei die Hand des Kranken. Das Berühren ist oft wichtiger als jedes Wort.

Achten Sie darauf, ob der Kranke müde wird. Brechen Sie ab, wenn er einschläft. Ein kurzes Gebet vor dem Schlafen ist besser als ein langes, das erschöpft. Gott braucht keine vollständigen Sätze.

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute, und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Der Wortlaut des Vaterunsers, wie er im deutschen Sprachraum gemeinsam gebetet wird.

Psalm 121: Hilfe, die von den Bergen kommt

Psalm 121 beginnt mit dem Blick auf die Berge. Der Beter fragt, woher seine Hilfe kommt, und antwortet selbst: von Gott, der Himmel und Erde gemacht hat. Dieser Psalm wird seit alter Zeit für Kranke und Sterbende gebetet.

Der Psalm verspricht keinen leichten Weg. Er sagt zu, dass Gott den Fuß nicht gleiten lässt und über dem Beter wacht. «Er schläft und schlummert nicht», heißt es dort. Das ist ein starkes Bild für eine Nacht am Krankenbett.

Sie können den Psalm vorlesen, auch wenn der Kranke nicht mehr antwortet. Viele kennen die erste Zeile auswendig. Der Vers «Der Herr behüte dich vor allem Bösen» eignet sich gut als Schlusswort vor dem Einschlafen.

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt. Meine Hilfe kommt von dem HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat. Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht.

Wer abends mit einem Kranken betet, braucht meist einen kurzen Text. Die katholischen Abendgebete haben für jede Lage eine kurze Form.

Psalm 121 nach der Lutherbibel von 1912 (gemeinfrei).

Fürbitten für einen Kranken, die man im Gottesdienst vorbringt

Fürbitten im Gottesdienst sind kurze Sätze mit einer Antwort der Gemeinde. Für einen Kranken nennt man den Vornamen, wenn die Familie einverstanden ist. So wird der Kranke vor der ganzen Gemeinde Gott anvertraut.

Eine Fürbitte kann so lauten: «Für unseren Bruder Johannes, der im Krankenhaus liegt, bitten wir dich, Herr.» Die Gemeinde antwortet: «Herr, erbarme dich.» Oder: «Wir bitten dich, erhöre uns.»

Sie können die Fürbitte vorher mit dem Priester oder dem Pfarrbüro absprechen. Auch mehrere Anliegen sind möglich, etwa für die Ärzte und für die Pflegenden. Wichtig ist, dass die Sätze klar und kurz bleiben.

Gebete für Kranke, die nicht mehr beten können

Wenn ein Kranker nicht mehr sprechen kann, betet die Kirche in seinem Namen. Das ist kein Ersatz, sondern ein Vertreten. Der Kranke bleibt getauft und gehört zu Christus, auch wenn er selbst nichts mehr äußern kann.

Sprechen Sie dann laut und ruhig. Nennen Sie den Namen des Kranken. Beten Sie das Vaterunser und den Psalm 23. Sie können auch nur sagen: «Herr, du kennst ihn, ich lege ihn in deine Hände.»

Manche Angehörige halten die Hand dabei fest. Andere machen ein Kreuz auf die Stirn. Solche Gesten sind erlaubt und werden seit langem geübt. Der Kranke muss nichts leisten. Das Gebet der anderen trägt ihn.

Herr, ich bitte nicht um einen schnellen Ausweg. Ich bitte um einen Tag, den ich tragen kann. Um einen Schlaf, der erquickt. Um einen Menschen, der zuhört, ohne Ratschläge zu geben. Um einen Schritt, der gelingt, wenn der ganze Weg zu weit ist. Du hast gesagt, dass deine Gnade für den Tag genügt. Hilf mir, das heute zu glauben. Amen.

Am Abend wird das Gebet am Krankenbett leiser. Wer dann nach Worten sucht, findet sie unter Abendgebet für Kranke, mit einem Gebet für eine schlaflose Nacht, einem Segen und einem Wort für die Angehörigen.

Unsere eigene Formulierung für lange Krankheitszeiten. Kein kirchlich approbierter Text.

Häufig gestellte Fragen

Was betet man bei schwerer Krankheit?

Man betet um Heilung, wenn sie möglich erscheint, und um Kraft, wenn sie ausbleibt. Das Vaterunser, der Psalm 121 und ein kurzes eigenes Wort genügen. Wichtig ist, ehrlich zu bleiben und Gott die Angst zu sagen. Auch die Krankensalbung gehört in diese Zeit.

Wie betet man für einen Kranken, der nicht gläubig ist?

Sie können leise für ihn beten, ohne ihn zu bedrängen. Fragen Sie, ob er ein Gebet wünscht. Wenn nicht, beten Sie allein zu Hause oder im Zimmer. Sie können auch nur sagen: Herr, du kennst ihn. Achten Sie seinen Willen.

Welche Fürbitten kann man im Gottesdienst für einen Kranken vorbringen?

Kurze Sätze mit dem Vornamen und der Bitte um Beistand eignen sich gut. Zum Beispiel: Für unseren Bruder Johannes, der im Krankenhaus liegt, bitten wir dich, Herr. Die Gemeinde antwortet mit Herr, erbarme dich. Sprechen Sie die Fürbitte vorher mit dem Priester ab.

Muss der Kranke beim Gebet etwas sagen?

Nein. Der Kranke darf schweigen, zuhören oder schlafen. Das Gebet der Angehörigen gilt auch dann, wenn er nichts erwidert. Ein Händedruck oder ein Blick genügt. Gott hört auch das ungesagte Wort.

Kann man für sich selbst beten, wenn man krank ist?

Ja. Sie dürfen für sich selbst um Heilung, um Linderung und um Geduld bitten. Ein kurzes Wort am Morgen reicht. Wenn Sie nicht beten können, bitten Sie jemanden, für Sie zu beten. Das ist kein Zeichen von Schwäche.

Diese Seite gibt es auch auf Italienisch.

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