Wenn ein Mensch krank wird, fehlen oft die Worte. Die Sorge um den eigenen Körper, die Angst vor dem Ergebnis einer Untersuchung oder die Erschöpfung nach einer schlaflosen Nacht lassen sich schwer in Sätze fassen. Genau dafür gibt es kurze Gebete. Sie sind kein Ersatz für den Arztbesuch und keine fromme Pflichtübung. Sie sind eine Möglichkeit, inmitten von Unsicherheit mit Gott zu sprechen, so wie man mit einem vertrauten Menschen spricht, wenn einem nicht nach langen Reden zumute ist.
Viele Menschen kennen das Gefühl, dass ein langes Gebet gerade dann nicht gelingt, wenn es am nötigsten wäre. Die Gedanken springen, der Körper schmerzt, die Konzentration lässt nach. Deshalb sind kurze Gebete oft die ehrlichere Form. Ein einziger Satz kann den ganzen Tag tragen. Er muss nicht schön klingen. Er muss nicht vollständig sein. Er darf stocken. Auf dieser Seite finden Sie Gebete für den Morgen, für die Nacht und für die Augenblicke dazwischen, dazu kurze Anrufungen, die man im Wartezimmer oder am Krankenbett leise sagen kann.
Ein kurzes Gebet braucht keine Vorbereitung. Sie können es im Sitzen beten, im Stehen, auf dem Weg zum Briefkasten oder während Sie auf das Taxi zum Arzt warten. Falten Sie die Hände, wenn es Ihnen hilft. Lassen Sie sie auf dem Schoß liegen, wenn das einfacher ist. Gott hört auch ein Wort, das nur gedacht wird.
Viele Kranke glauben, sie müssten erst zur Ruhe kommen, bevor sie beten dürfen. Das ist eine Last, die niemand auferlegt hat. Beten Sie mitten in der Unruhe. Beten Sie mit dem Schmerz, mit der Angst, mit dem Ärger über die eigene Schwäche. Ein Gebet muss nicht fromm klingen, um gehört zu werden.
Wenn Sie merken, dass Ihnen kein Satz einfällt, nehmen Sie einen Satz aus dieser Seite. Sprechen Sie ihn langsam. Wiederholen Sie ihn, wenn die Gedanken abschweifen. Das ist kein Zeichen von Unkonzentriertheit, sondern ein Zeichen dafür, dass Sie bleiben wollen. Genau darum geht es.
Am Morgen entscheidet sich oft, wie der Tag getragen wird. Wer mit Schmerzen aufwacht, rechnet mit einem schweren Tag. Ein kurzes Gebet am Bett oder am Küchentisch setzt einen anderen Anfang. Es sagt nicht, dass alles gut wird. Es sagt, dass Sie diesen Tag nicht allein beginnen.
Sie können den Morgen mit einem Satz beginnen, bevor Sie die Augen ganz öffnen. Sagen Sie zum Beispiel: Herr, ich weiß nicht, was heute kommt, aber ich gehe mit dir. Danach stehen Sie auf, waschen sich, trinken etwas. Das Gebet ist nicht beendet, es geht mit.
Wenn Sie Angehörige pflegen, beten Sie auch für sich. Ein Morgengebet für den Kranken und ein Morgengebet für die eigene Kraft sind zwei verschiedene Dinge. Beides ist erlaubt. Beides ist nötig. Sie müssen nicht zuerst an sich denken, aber Sie dürfen es.
Herr, ich bitte nicht um einen schnellen Ausweg. Ich bitte um einen Tag, den ich tragen kann. Um einen Schlaf, der erquickt. Um einen Menschen, der zuhört, ohne Ratschläge zu geben. Um einen Schritt, der gelingt, wenn der ganze Weg zu weit ist. Du hast gesagt, dass deine Gnade für den Tag genügt. Hilf mir, das heute zu glauben. Amen.
Unsere eigene Formulierung für lange Krankheitszeiten. Kein kirchlich approbierter Text.Die Nacht ist für viele Kranke die schwerste Zeit. Der Lärm des Tages ist weg, die Schmerzen sind da, die Sorgen werden laut. Ein Nachtgebet hilft nicht immer beim Einschlafen. Es hilft aber, die Nacht nicht als allein durchwacht zu erleben.
Beten Sie im Bett, mit gedämpftem Licht oder im Dunkeln. Wenn Sie nicht schlafen können, beten Sie weiter. Sie müssen nicht künstlich ruhig werden. Sagen Sie Gott, dass Sie wach liegen. Sagen Sie ihm, was Sie ängstigt. Sagen Sie ihm auch, wenn Sie wütend sind.
Wenn Sie nachts aufwachen und nicht wieder einschlafen, ist das kein versäumtes Gebet. Ein kurzer Satz genügt. Herr, ich bin da, und du bist da. Dann drehen Sie sich um und versuchen es erneut. Mehr wird von Ihnen nicht verlangt.
Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem HERRN: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe. Denn er errettet dich vom Strick des Jägers und von der schädlichen Pestilenz. Er wird dich mit seinen Fittichen decken, und unter seinen Flügeln wirst du sicher sein; seine Wahrheit ist Schirm und Schild.
Psalm 91 nach der Lutherbibel von 1912 (gemeinfrei).Manchmal ist keine Zeit für einen ganzen Gebetstext. Im Wartezimmer, vor einer Spritze, während eines Telefonats mit der Klinik. Für solche Momente gibt es kurze Anrufungen. Sie bestehen aus wenigen Worten und lassen sich im Kopf sprechen, ohne dass jemand es merkt.
Sprechen Sie eine Anrufung ruhig mehrmals. Wiederholung ist kein leeres Gerede. Sie hält den Kontakt, ähnlich wie das Halten einer Hand. Sie können die Anrufungen auch auf einen Zettel schreiben und in die Tasche stecken. Suchen Sie sich zwei oder drei aus, die zu Ihrer Lage passen. Die folgenden Anrufungen sind aus der Tradition übernommen und können frei verwendet werden.
Herr, sei mir nahe in dieser Stunde.
Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner.
Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Unter deinem Schutz und Schirm sei ich geborgen.
Heilige Maria, Mutter der Barmherzigkeit, bitte für uns.
Heiliger Josef, Patron der Sterbenden, steh uns bei.
Herr, ich vertraue dir.
Dein Wille geschehe, dein Wille ist Liebe.
Herr, schenke Frieden, wo die Angst wohnt.
In deine Hände lege ich meinen Geist.
Vor einer Untersuchung oder Operation kommen oft Fragen, die man nicht stellen kann. Was wird gefunden? Wie lange dauert es? Was, wenn etwas schiefgeht? Ein Gebet vorher macht die Angst nicht weg. Es gibt Ihnen aber einen Ort für diese Angst.
Beten Sie am Abend vorher und am Morgen des Termins. Beten Sie im Wartezimmer, wenn es möglich ist. Wenn Sie nicht beten können, sagen Sie einfach: Herr, ich habe Angst. Das ist ein vollständiges Gebet. Sie müssen keine frommen Worte finden.
Denken Sie daran, auch für die Menschen zu beten, die Sie behandeln. Ärzte, Schwestern, Pfleger, der Fahrer des Krankentransports. Sie tragen Verantwortung und sind oft müde. Ein kurzes Gebet für sie verändert nicht die Medizin, aber es verändert Ihre Haltung gegenüber denen, die Ihnen helfen.
Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt. Meine Hilfe kommt von dem HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat. Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht.
Psalm 121 nach der Lutherbibel von 1912 (gemeinfrei).Fünf Minuten am Tag sind für die meisten Menschen machbar. Nicht als Leistung, sondern als Unterbrechung. Setzen Sie sich hin, stellen Sie einen Wecker oder legen Sie die Uhr weg. Atmen Sie einmal tief ein und aus. Dann beten Sie.
Sie können diese fünf Minuten festlegen: morgens nach dem Aufstehen, mittags vor dem Essen, abends vor dem Schlafengehen. Oder Sie nehmen sie dann, wenn der Schmerz kommt oder die Angst. Wichtiger als die Uhrzeit ist, dass Sie es tun, auch wenn es sich trocken anfühlt.
Wenn Sie fünf Minuten nicht schaffen, nehmen Sie eine Minute. Wenn Sie eine Minute nicht schaffen, nehmen Sie einen Satz. Gott rechnet nicht die Minuten zusammen. Er hört den Satz. Und wenn Sie an einem Tag gar nicht beten, dürfen Sie am nächsten Tag wieder anfangen, ohne Strafe und ohne Nachholen.
Wie die Kirche hier konkret handelt, steht ausführlich in Die Krankensalbung: Bedeutung, Ablauf und wer sie empfangen darf nachzulesen. Wenn die Krankheit lebensbedrohlich wird, helfen die Texte in Gebet für Schwerkranke.
Ja. Sie können einen einzigen Satz sprechen, zum Beispiel: Herr, sei mir nahe in diesem Augenblick. Solche Sätze passen in jede Situation, auch im Wartezimmer oder im Bus. Sie müssen nicht laut gesprochen werden. Es genügt, sie im Kopf zu sagen. Wiederholen Sie den Satz, wenn die Gedanken abschweifen.
Ja. Sie können schweigen und sich Gott zuwenden, so wie man neben einem Menschen sitzt, ohne etwas zu sagen. Ein Seufzen, ein Blick, das Halten eines Rosenkranzes oder einfach das ruhige Atmen können ein Gebet sein. Worte sind nicht die einzige Sprache. Entscheidend ist, dass Sie sich nicht abwenden.
Es gibt kein vorgeschriebenes Gebet. Sie können um Beistand für sich und um ein gutes Ergebnis bitten, aber auch um Kraft, falls das Ergebnis anders ausfällt. Viele sprechen den Satz: Herr, in deine Hände lege ich mich. Wichtig ist, dass Sie beten, nicht welche Formel Sie wählen.
Es gibt keine feste Zahl. Manche beten einmal am Morgen und einmal am Abend, andere sprechen mehrmals kurze Anrufungen. Häufiges Beten ist kein Zeichen größerer Frömmigkeit, sondern oft ein Zeichen großer Not. Beten Sie so oft, wie es Ihnen hilft, und lassen Sie sich nicht unter Druck setzen.
Ja. Sie können für einen Kranken bitten, auch wenn er selbst nicht betet. Nennen Sie seinen Namen, wenn Sie ihn aussprechen möchten. Sie können Gott um Linderung, um gute Ärzte und um ruhige Nächte bitten. Ihr Gebet ersetzt nicht die Behandlung, aber es verbindet Sie mit dem Kranken.
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