Neun Abende, vom 16. bis zum 24. Dezember. In vielen Pfarreien hängen Zettel aus, auf denen eine Weihnachtsnovene angekündigt wird, und wer keinen Text mit nach Hause nimmt, steht am ersten Abend ratlos in der Küche. Dabei braucht es nicht viel: einen Tisch, ein Licht, neun kurze Abschnitte und die Bereitschaft, jeden Abend zehn Minuten freizuhalten.
Eine Novene bindet nicht unter Sünde. Sie ist ein Versuch, und ein Versuch darf auch schiefgehen. Was in diesen neun Tagen passiert, hängt nicht an der Zahl, sondern daran, dass Sie überhaupt anfangen.
Neun hat zwei Wurzeln, und beide gehören zur selben Sache. Die eine ist die Schwangerschaft: neun Monate liegen zwischen der Verkündigung und der Geburt, und die letzten neun Tage sind so etwas wie das Aufwachen kurz vor dem Ziel. Die andere ist biblisch: Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten blieben die Jünger neun Tage im Gebet zusammen, mit Maria im selben Raum.
Von daher hat die Novene ihre Form: neun Tage, ein Anliegen, ein Ende. Sie ist kein Dauerzustand und keine fromme Gewohnheit, die man beliebig verlängert. Sie hat einen Anfangs- und einen Schlusspunkt, und der Schlusspunkt ist in diesem Fall die Christmette.
Die meisten Pfarreien halten die Weihnachtsnovene vom 16. bis 24. Dezember. Das sind genau neun Tage, und der letzte fällt auf den Heiligen Abend. In Österreich und Süddeutschland wird sie oft mit den O-Antiphonen verbunden, die vom 17. bis 23. Dezember in der Vesper gesungen werden: O Weisheit, o Adonai, o Spross aus Isais Wurzel, o Schlüssel Davids, o aufgehende Sonne, o König der Völker, o Emmanuel.
Das sind sieben Rufe, nicht neun, und sie decken nicht den ganzen Zeitraum ab. Wer eine Novene nach den O-Antiphonen betet, hat für den 16. und den 24. keinen Ruf und muss sich etwas einfallen lassen. Viele Gemeinden lösen das, indem sie am ersten Abend die Erwartung selbst bedenken und am letzten das Kind in der Krippe.
Die Christmette wird in vielen Pfarreien auf 22 Uhr vorverlegt, damit Familien mit kleinen Kindern kommen können. Wer die Novene zu Hause betet, sollte den letzten Abend danach richten: entweder vor dem Gang zur Kirche oder danach, aber nicht beides gleichzeitig.
Am 24. Dezember kommt in Österreich das Friedenslicht aus Bethlehem dazu, das in den Kirchen verteilt wird. Es ist kein Teil der Novene, aber es passt: Ein Licht, das weitergereicht wird, sagt mehr über Weihnachten als manche Predigt.
Der ältere gedruckte Text, der in halb Europa abgeschrieben wurde, ist die Novena del Santissimo Natale von Alfons von Liguori, entstanden 1758. Alfons war Moraltheologe und Prediger, und er schrieb seine Novene für einfache Leute, nicht für Theologen. Deshalb ist die Struktur so schlicht: ein Schriftwort, ein kurzer Gedanke, ein Gebet, ein Lied.
Wenn Sie also in einem Pfarrmagazin ein Heftchen finden und in einem anderen Gemeindeblatt fast denselben Aufbau sehen, ist das kein Abschreiben untereinander, sondern derselbe Ursprung. Sie können getrost bei Alfons bleiben oder eine eigene Fassung nehmen. Die Form ist wichtiger als der genaue Wortlaut.
Der Advent dauert vier Wochen und ist eine ganze Zeit mit eigener Liturgie, eigenem Kranz, eigenem Ton. Die Novene ist neun Tage und hat ein einziges Ziel. Sie beginnt bewusst spät, weil sie nicht das ganze Kirchenjahr abbilden will, sondern die letzte Strecke. Wer früh anfängt, hat nach zwei Wochen keine Spannung mehr.
Das ist auch der Grund, warum die Novene nicht am 1. Dezember startet, obwohl das praktischer wäre. Der späte Anfang gehört zur Sache. Er zwingt dazu, kurz vor dem Fest noch einmal wirklich hinzuschauen.
Suchen Sie einen festen Platz, am besten den Küchentisch, und stellen Sie eine Kerze hin, die nur für diese neun Abende brennt. Feste Zeiten helfen mehr als gute Vorsätze. Nach dem Abendessen, vor dem Zubettgehen, irgendetwas, das jeden Tag gleich ist. Zehn Minuten reichen.
Bei Kindern verschiedener Altersstufen wird es schwierig, wenn alle denselben Text lesen sollen. Lassen Sie die Kleinen die Kerze anzünden und ein Lied singen, die Größeren lesen den Abschnitt, und wer noch nicht lesen kann, sagt den Satz, der ihm am besten gefällt. Ein Kind, das nur zuhört und die Kerze hält, betet mit.
Wenn eine Nacht ausfällt, ist nichts verloren. Sie müssen nicht neu anfangen, und Sie müssen nicht zwei Abende nachholen. Beten Sie am nächsten Abend weiter, wo Sie stehen geblieben sind. Eine Novene ist kein Vertrag mit Strafklausel.
Manche Pfarreien bieten an, neun Messen als Novene lesen zu lassen, oft für einen bestimmten Menschen oder ein Anliegen. Gemeint ist damit: neun Tage lang wird eine Messe in diesem Anliegen gefeiert. Das ist keine Zauberformel und auch kein Ablassgeschäft. Es ist die Bitte, dass neun Mal die Kirche für jemanden betet, der selbst nicht kommen kann.
Wer das in Auftrag gibt, sollte wissen, was er tut: Es kostet in der Regel eine Spende, und die Namen werden genannt. Fragen Sie im Pfarramt nach, wie es gehandhabt wird. Es ist besser, das zu wissen, als es später zu vermuten.
Und dann das Unbequeme: Die Kraft liegt nicht in der Neun. Wenn aus der Novene eine Pflichtübung wird, bei der alle nur noch die Zähne zusammenbeißen, dann kürzen Sie sie. Ein Vaterunser und ein Satz, den ein Kind laut sagt, sind an einem miesen Abend mehr wert als ein vollständiger Text, den niemand hört. Eine Novene, die abgebrochen wird, weil sie zu viel war, hat ihren Zweck verfehlt. Eine, die auf drei Minuten zusammengestrichen wurde, nicht.
Der erste Abend hat keinen eigenen Vers in der Liturgie. Er gehört der Erwartung selbst: dem Noch-nicht, dem Warten, das nicht leer ist.
Herr, wir fangen an, ohne viel zu wissen.
Mach aus diesen neun Abenden kein Programm, sondern ein Warten.
Und lass uns merken, dass du schon unterwegs bist.
Die erste O-Antiphon ruft die Weisheit, die aus dem Mund des Höchsten kommt und alles ordnet. Ein Ruf für alle, die gerade nicht wissen, wie es weitergehen soll.
O Weisheit, ordne, was bei uns durcheinander ist.
Sprich dort, wo wir keine Antwort haben.
Und lehre uns, dir zuzuhören.
Adonai ist der Name, den das Volk nicht ausspricht. Der Ruf bittet um den, der im brennenden Dornbusch zu Mose sprach und sein Volk herausführte.
O Adonai, du hast dein Volk nicht vergessen.
Komm auch zu uns, die wir es oft vergessen.
Führ uns heraus, wo wir feststecken.
Ein dürrer Stumpf, aus dem ein neuer Trieb kommt. Wer das betet, sagt: Ich glaube, dass aus Abgeschnittenem noch etwas wachsen kann.
O Spross aus Isais Wurzel, aus altem Holz.
Lass wachsen, was bei uns schon abgeschrieben war.
Und gib uns Geduld mit dem Kleinen.
Der Schlüssel öffnet und schließt. Der Ruf bittet um den, der die Tür aufmacht, wo niemand sonst hineinkommt, und der das Gefängnis nicht verschlossen lässt.
O Schlüssel Davids, öffne, was verschlossen ist.
Mach auf, was wir selbst zugemacht haben.
Und lass niemanden draußen stehen.
Die Sonne, die aufgeht, ist das Bild für das Licht, das die Nacht nicht besiegt, sondern beendet. Wer im Dunkeln sitzt, braucht keinen Beweis, sondern einen Morgen.
O aufgehende Sonne, komm über unsere dunklen Tage.
Leuchte dem, der heute Nacht nicht schlafen kann.
Und lass uns den Morgen erwarten.
Der König, den dieser Ruf meint, kommt nicht mit Heer und Hof. Er kommt als Kind, und das ist die Zumutung, die bis heute nicht kleiner geworden ist.
O König der Völker, du kommst anders, als wir dachten.
Nimm uns die Angst vor der Ohnmacht.
Und mach uns bereit für deine Art zu herrschen.
Emmanuel heißt: Gott mit uns. Nicht Gott über uns, nicht Gott weit weg, sondern bei uns. Der letzte der sieben Rufe ist der, mit dem die ganze Adventszeit zusammenläuft.
O Emmanuel, bleib bei uns, wenn es dunkel wird.
Sei bei den Kranken und den Einsamen dieser Nacht.
Und sei bei uns, gerade jetzt.
Der letzte Abend fällt auf den Heiligen Abend, und wenn die Christmette um 22 Uhr beginnt, bleibt davor wenig Zeit. Beten Sie früh, vor dem Friedenslicht und dem Weg zur Kirche.
Herr, jetzt ist es so weit.
Wir legen das Warten ab und schauen auf das Kind.
Danke, dass du gekommen bist, ohne Bedingungen.
(Dieses Gebet stammt von unserem Team, es ist kein offizieller Text der Kirche.)
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Nein. Eine feste Zeit hilft, ist aber nicht Vorschrift. Wichtig ist nur, dass der Tag nicht ohne einen Moment des Innehaltens vergeht. Wer nachts heimkommt, kann die Novene auch dann noch beten.
Nichts Schlimmes. Sie beten am nächsten Abend einfach weiter, wo Sie stehen geblieben sind. Sie müssen nicht neu anfangen und auch nicht zwei Abende nachholen. Eine Novene ist ein Weg, kein Prüfungsbogen.
Nein. Eine Novene ist ein privates Gebet oder eine fromme Übung und verpflichtet nicht unter Sünde. Wer sie abbricht, begeht keine Schuld. Das gilt auch für die Teilnahme an neun Messen in einem bestimmten Anliegen.
Ja. Die Novene ist nicht an eine Gruppe gebunden. Allein gebetet ist sie genauso vollständig, und gerade für Menschen, die im Advent allein sind, ist das oft die einzige Form, die möglich ist.
Dabei wird an neun Tagen eine Messe für ein Anliegen oder einen Menschen gefeiert. Es ist keine Zauberformel, sondern die Bitte, dass die Kirche neun Mal für jemanden betet. Fragen Sie im Pfarramt nach, wie die Namen genannt werden und ob eine Spende üblich ist.
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