Sie haben irgendwo das Wort Rorate gelesen, vielleicht auf einem Pfarrzettel oder unter einem Foto von einer Kirche, die nur von Kerzen hell ist. Dahinter steckt eine Messe, die im Advent frühmorgens gefeiert wird, oft um sechs oder sieben Uhr, mancherorts schon um halb sechs. Der Name kommt vom ersten Wort des Eröffnungsverses: Rorate caeli desuper, tauet, Himmel, von oben.
In den Bistümern am Rhein, in Bayern und in Österreich hat sich dieser Brauch bis heute gehalten. Man sagt dort Rorateamt oder einfach Rorate. Wer einmal dabei war, erinnert sich meist an die Stille mehr als an den Text.
Die Rorate ist eine Votivmesse von der seligen Jungfrau Maria, die im Advent gefeiert wird. Votivmesse heißt: Es ist keine Messe vom Tag, sondern eine Messe zu einem bestimmten Anliegen, hier eben zu Ehren Marias. Sie wird in der Adventszeit gehalten, meist an einem Wochentag oder am Samstag, weil der Sonntag im Advent seinen eigenen Gottesdienst hat.
Der Eröffnungsvers stammt aus dem Buch Jesaja, Kapitel 45, Vers 8, in der lateinischen Fassung der Vulgata. Rorate caeli desuper et nubes pluant iustum, der Gerechte soll herabkommen. Die Kirche betet damit das Bild des taubedeckten Ackers, der auf Regen wartet. Der Keim im Boden, das ist der Advent.
Dazu kommen die Lesung, oft aus Jesaja, und das Evangelium. In vielen Gemeinden wird die Messe als gesungene Messe gehalten, mit dem Kirchenchor, manchmal mit Orgel, manchmal nur mit einer einzelnen Stimme.
Der Sinn liegt im Warten. Die Rorate wird vor Sonnenaufgang gefeiert, in einer Kirche, die nur von Kerzen erleuchtet ist. Kein Deckenlicht, kein Strahler, oft nicht einmal die Beleuchtung am Altar. Die Gemeinde sitzt im Halbdunkel, und die Flammen werfen Schatten an die Gewölbe.
Das ist keine Nostalgie, sondern eine kleine Übung. Der Advent ist eine Zeit, in der die Kirche nüchtern bleibt, keine Blumen am Altar, gedämpfter Klang. Die Dunkelheit der Rorate macht spürbar, was das Wort Advent meint: dass etwas fehlt und dass es kommen wird.
In manchen Kirchen wird während der Messe nach und nach mehr Licht angezündet, gegen Ende brennt der Altarraum hell. Andernorts bleibt es bis zum Segen dunkel. Beides ist üblich, eine Vorschrift gibt es nicht.
Üblich ist ein Termin pro Woche im Advent, häufig am Samstag, in vielen Pfarreien auch an einem Mittwoch oder Freitag. Die Uhrzeit liegt meist bei sechs oder sieben Uhr morgens, damit die Messe vor der Arbeit besucht werden kann. In einzelnen Gemeinden beginnt sie um 5.30 Uhr, dann gibt es danach oft ein Frühstück im Pfarrheim.
Rechnen Sie mit 30 bis 45 Minuten. Eine gesungene Rorate mit Predigt kann eine Stunde dauern. Wer zur Kommunion gehen möchte, kann das tun: Es ist eine vollgültige Messe mit Kommunion, kein Andachtsgottesdienst. Das Fasten vor der Kommunion gilt wie in jeder Messe, eine Stunde vorher nichts essen, Wasser ist erlaubt.
Die Zahl der Mitfeiernden ist oft klein. Zwanzig, dreißig Leute, manchmal mehr, wenn der Chor dabei ist. Das ist Teil der Sache: Es ist kein Ereignis, zu dem man eine Eintrittskarte braucht.
Fragen Sie im Pfarrbüro Ihrer Gemeinde nach dem Rorateamt. Viele Pfarreien drucken die Termine im Pfarrbrief ab, oft unter dem Stichwort Adventsgottesdienste. Auch das Dekanat oder der Seelsorgebereich gibt manchmal eine gemeinsame Übersicht heraus.
Im Rheinland, in Bayern und in Österreich ist die Chance groß, dass eine Nachbargemeinde eine Rorate hält, auch wenn die eigene es nicht tut. In Städten lohnt der Blick auf Klosterkirchen und auf Gemeinden mit Tradition in der Kirchenmusik, weil dort der Chor die Messe trägt. In ländlichen Gegenden hängt es oft an einer einzigen Person, die den Brauch weiterführt.
Der historische Kern liegt im deutschen Sprachraum, in Polen und in Teilen Frankreichs. In Polen heißt sie Roraty und ist in vielen Städten täglich im Advent gefeiert, mit Laternen der Kinder. Wer umzieht, kann also fragen, ob die neue Gemeinde den Brauch kennt.
Nicht überall gibt es eine Rorate. Manche Pfarreien haben sie vor Jahren eingestellt, weil der Chor fehlte oder weil um sechs Uhr niemand kam. Das ist kein Grund, den Advent anders zu verbringen.
Sie können die Lesung aus Jesaja 45 und das Tagesevangelium zu Hause lesen, dazu den Eröffnungsvers. Viele Gebetbücher haben eine Adventsandacht, die sich an der Rorate orientiert. Eine Kerze auf dem Tisch, zehn Minuten Stille vor der Arbeit, das ist derselbe Gedanke in kleiner Form.
Wenn Sie den Brauch in Ihrer Gemeinde wiederbeleben möchten, sprechen Sie mit dem Pfarrer und mit dem Chor. Oft scheitert es nur an der Frage, wer die Organisation übernimmt.
Kleiden Sie sich warm. Alte Kirchen sind im Dezember kalt, und Sie sitzen länger als in einer Werktagsmesse. Viele bringen eine Decke mit. Das ist völlig normal und niemand schaut schief.
Setzen Sie sich nicht in die erste Bank, wenn Sie den Ablauf nicht kennen. Von hinten sehen Sie, wann man steht und wann man kniet. Das Gesangbuch liegt meist am Platz, die Lieder sind oft alt und schlicht.
Und noch etwas: Es kann sein, dass Sie nach der Messe mit einem anderen Gefühl in den Tag gehen als sonst. Das ist keine Zusage, nur eine Beobachtung, die viele machen. Die Kirche ist dann noch dunkel, draußen wird es hell.
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Nein. Jeder kann an einer Messe teilnehmen und zuhören. Zur Kommunion gehen katholische Christen, die im Stand der Gnade sind, sowie Christen aus den orthodoxen Kirchen. Wer unsicher ist, bleibt einfach sitzen, das ist kein Affront.
In der Regel 30 bis 45 Minuten. Mit gesungenem Proprium, Chor und Predigt kann es eine Stunde werden. Rechnen Sie im Advent mit Kälte in der Kirche, warme Kleidung ist sinnvoll.
Ja, es ist eine vollgültige Messe, keine Andacht. Es gelten die üblichen Regeln: eine Stunde vorher nichts essen, außer Wasser und Medizin. Wenn Sie im Stand der schweren Sünde sind, gehen Sie vorher zur Beichte.
Der Name kommt vom ersten Wort des Eröffnungsverses Rorate caeli desuper aus Jesaja 45,8 in der lateinischen Vulgata. Auf Deutsch: Tauet, Himmel, von oben. Das Wort ist der Anfang der Messe und gab dem ganzen Brauch seinen Namen.
Ja, besonders in Polen als Roraty, oft täglich im Advent und mit Laternen der Kinder. Auch in Teilen Frankreichs und in Tschechien ist der Brauch bekannt. Am stärksten verwurzelt ist er im deutschen Sprachraum, in Polen und in Teilen Frankreichs.
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